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Meine Erfahrung aus meinen Seminaren und Ausbildungen ist, dass es gerade unter Menschen, die Yoga und Meditation praktizieren, einen hohen Anteil an Hochsensiblen oder Hochsensitiven gibt. Die einen mag diese Sensibilität zu Yoga hingeführt haben, bei anderen hat sie sich beim Ausüben allmählich ausgeprägt. Nicht wenige erleben dabei eine Entfremdung in der Partnerschaft, im Arbeitsumfeld und manchmal generell in der Gesellschaft. Für manche ist es schwer, sich selbst mit dieser Eigenschaft anzunehmen. Aus meiner Sicht ist es aber durch und durch vorteilhaft, natürlich und sehr wünschenswert, denn gerade Sensibilität kann die Basis für ein neues friedvolles und erwachsenes Zusammenleben bilden. -  Die Autorin Sabine Knoll hat einen Artikel zu diesem Thema geschrieben, der "Betroffenen" eine Unterstützung bieten will und den ich gerne hier weitergebe. - Bhajan Noam  

Ein Artikel von: Sabine Knolle - Hoch­sen­si­tive neh­men über ihre fünf Sinne mehr, inten­si­ver und detail­lier­ter wahr als der Groß­teil der Men­schen. Sie sind beson­ders intui­tiv, ein­fühl­sam, manch­mal sogar medial. Ihre Reizof­fen­heit und Sen­si­bi­li­tät macht sie aller­dings auch ver­letz­li­cher und schnel­ler reiz­über­flu­tet, was in Bezie­hun­gen ein Thema sein kann.

Die ame­ri­ka­ni­sche Psy­cho­lo­gin und Psy­cho­the­ra­peu­tin Elaine N. Aron prägte in ihrem Buch »The Highly Sen­si­tive Per­son – How To Thrive When the World Over­whelms You« (deut­scher Titel: »Sind Sie hoch­sen­si­bel? Wie Sie Ihre Emp­find­sam­keit erken­nen, ver­ste­hen und nut­zen«) 1996 den Begriff HSP, der sowohl als »Hoch­sen­si­tive Per­son« als auch »Hoch­sen­si­ble Per­son« über­setzt wird. Elaine N. Aron, selbst hoch­sen­si­tiv und als Uni­ver­si­täts­pro­fes­so­rin bei der Erfor­schung die­ser Ver­an­la­gung seit Jahr­zehn­ten aktiv, stellte fest, dass 15 bis 20 Pro­zent der Men­schen (und Tiere) hoch­sen­si­tiv gebo­ren sind, unab­hän­gig von der Kul­tur, aus der sie stammen.

Hoch­sen­si­tive neh­men Ener­gien (z. B. von und zwi­schen Men­schen) deut­li­cher wahr, rea­gie­ren stär­ker auf Genuss­mit­tel (z. B. Kaf­fee, Alko­hol) und andere Nah­rungs­in­halts­stoffe, kön­nen von Musik und Kunst tief bewegt sein und inten­siv genie­ßen. Sie haben einen wei­te­ren und tie­fe­ren Blick auf die Welt, ein gro­ßes Gerech­tig­keits­emp­fin­den und Har­mo­nie­be­dürf­nis, sind sehr reflek­tiert und ernst­haft, häu­fig spi­ri­tu­ell, kön­nen von der Viel­falt an exter­nen sowie inter­nen Ein­drü­cken und Gefüh­len aber auch über­flu­tet wer­den und dar­un­ter lei­den. Wenn sie nicht auf ihre Gren­zen ach­ten, sind sie noch mehr als Nicht-HSP gefähr­det, in einem Burn-out zu landen.

Rund 70 Pro­zent der HSP sind intro­ver­tiert, die rest­li­chen 30 Pro­zent sind sozial extra­ver­tierte HSP mit gro­ßem Freun­des­kreis und Gefal­len an Grup­pen sowie frem­den Men­schen. Der Unter­schied zu ande­ren Extra­ver­tier­ten: Nach über­er­re­gen­den Rei­zen wie etwa einem lan­gen Arbeits­tag oder viel Zeit in der Innen­stadt mei­den HSPgerne den Kon­takt und brau­chen Raum für sich zum Ver­ar­bei­ten der Reize und Auf­tan­ken. Extra­ver­tierte Nicht-HSP ent­span­nen hin­ge­gen bes­ser in Gesell­schaft von ande­ren. Das kann in Bezie­hun­gen zwi­schen HSP und Nicht-HSP zu Miss­ver­ständ­nis­sen füh­ren, wenn der/die nicht hoch­sen­si­tive Partner/in das zum Bei­spiel als Lie­bes­ent­zug wertet.

Sowohl die Bezie­hung zwi­schen Hoch­sen­si­ti­ven und Nicht-Hochsensitiven als auch zwi­schen zwei Hoch­sen­si­ti­ven bie­tet Chan­cen und Ris­ken glei­chen­ma­ßen. Ähn­lich ver­an­lagte Partner/innen freuen sich über das Ver­ständ­nis, die Gemein­sam­kei­ten und das Ver­bin­dende, unter­schied­lich Ver­an­lagte genie­ßen oft den ein­an­der ergän­zen­den Cha­rak­ter der Bezie­hung, lei­den aber auch unter der Tat­sa­che, nicht ver­stan­den zu werden.

Mög­li­che Vor­teile einer Ver­bin­dung von zwei Hoch­sen­si­ti­ven sind:

  • Gleich­klang und Gemein­sam­kei­ten, Gefühl der Seelenverwandtschaft
  • ver­wandte Art des Den­kens und der Welt­sicht (ethi­sches Empfinden)
  • gegen­sei­ti­ges Ver­ständ­nis, Rück­sicht­nahme, behut­sa­mer Umgang
  • tief­grün­dige Gesprä­che und wort­lo­ses Ver­ste­hen (tele­pa­thi­sche Verbundenheit)
  • Wahr­neh­mung fei­ner Zwi­schen­töne, gro­ßes Einfühlungsvermögen
  • Ange­nom­men– und Geliebt­sein in sei­nem Sosein
  • Auf­lö­sung von klas­si­schen Rollenklischees
  • ähn­li­che Bedürf­nisse nach Nähe und Dis­tanz (Zeit für sich)
  • Bezie­hung mit beid­sei­ti­gem Tief­gang, große Gefühlstiefe
  • Sanft­heit und Zärt­lich­keit im kör­per­li­chen Umgang miteinander
  • Ein­heits­er­leb­nisse in der Sexua­li­tät (mys­ti­sches Emp­fin­den – Sexua­li­tät u. Spirit)
  • Kon­sens über Frei­zeit­ge­stal­tung (ähn­li­che Emp­fin­dung von Überstimulierendem)
  • Unkon­ven­tio­na­li­tät und Krea­ti­vi­tät in der Lebensgestaltung

Mög­li­che Her­aus­for­de­run­gen für Hoch­sen­si­tive Paare sind:

  • Schwie­rig­keit, bei sich zu blei­ben und sich abzu­gren­zen (Symbiose)
  • Gefahr, sich mit­ein­an­der von der Welt abzu­schot­ten und zurückzuziehen
  • Ein­schrän­kun­gen im All­tag durch Über­emp­find­lich­keit in ver­schie­de­nen Bereichen
  • bei Über­las­tung und Über­sti­mu­la­tion bei­der dop­pel­tes Konfliktpotential
  • beid­sei­tige Genervt­heit durch Anfor­de­run­gen des Alltagslebens
  • frü­her erreichte Belast­bar­keits­grenze bei bei­den im Fami­li­en­le­ben (z. B. Kinder)
  • weni­ger Mög­lich­kei­ten, ein­an­der zu ergän­zen und Arbeit abzunehmen
  • teil­weise Unter­re­prä­sen­tiert­heit des Yang (der akti­ven, männ­li­chen Energie)
  • Kon­flikt­scheu, Flucht und Rück­zug statt Klä­rung von Problemen

Mög­li­che Vor­teile einer Ver­bin­dung von HSP mit Nicht-HSP sind:

  • Anzie­hungs­kraft durch Verschiedenartigkeit
  • gegen­sei­tige Ergänzung
  • Chance auf Arbeits­tei­lung im Alltag
  • unter­schied­li­che Blick­win­kel kön­nen berei­chernd sein
  • Chance, von­ein­an­der zu lernen
  • Hori­zont­er­wei­te­rung
  • Viel­falt durch ver­schie­dene Vor­lie­ben bei Tole­ranz für Andersartigkeit
  • Gefühl, sich als HSP geschützt u. in der mate­ri­el­len Welt gut auf­ge­ho­ben zu fühlen

Mög­li­che Her­aus­for­de­run­gen für Ver­bin­dun­gen von HSP und Nicht-HSP sind:

  • Unver­ständ­nis für emo­tio­nale Andersartigkeit
  • man­gelnde Tole­ranz im Umgang mit Verschiedenheit
  • das Gefühl, anein­an­der vor­bei­zu­re­den, ein­an­der nicht wirk­lich zu verstehen
  • Schwie­rig­kei­ten beim Fin­den gemeins. Frei­zeit­ak­ti­vi­tä­ten (Über-/Unterstimulation)
  • Pro­bleme durch unter­schied­li­che Grade der Empathie
  • große Ver­schie­den­heit in den sexu­el­len Bedürfnissen
  • Kon­flikt­po­ten­tial durch unter­schied­li­che (auch emo­tio­nale) Stressresistenz
  • Belas­tun­gen durch ver­schie­den­ar­ti­ges Konfliktverhalten

HSP haben meist eine tiefe Sehn­sucht nach See­len­part­ner­schaf­ten und Ver­schmel­zung. Dazu kommt die Sehn­sucht nach Nähe und die Angst vor Ver­let­zung, Selbst­auf­gabe und sich zu ver­lie­ren, die häu­fig bei HSP Hand in Hand gehen. Gut bei sich zu blei­ben und für seine Bedürf­nisse ein­zu­tre­ten, kann diese Ängste lin­dern. HSPsind mit ihrer Ener­gie und Auf­merk­sam­keit häu­fig mehr bei ande­ren als bei sich selbst. Je bes­ser Hoch­sen­si­tive in ihrer Mitte und in ihrem Kör­per zu Hause sind, desto bes­ser spü­ren sie ihre Gren­zen und wann es genug ist. Die­sen Moment nicht zu über­ge­hen und sich nicht von ande­ren über­re­den zu las­sen, zum Bei­spiel noch län­ger auf einer reiz­über­flu­ten­den Party zu blei­ben, ist für HSP und ihr Wohl­er­ge­hen ent­schei­dend und dient letzt­lich auch der Bezie­hung. Denn reiz­über­flu­tete HSP kön­nen, wenn nichts mehr geht, die Mau­ern ziem­lich vehe­ment hoch­fah­ren. Auch getrennte Schlaf­zim­mer, z. B. bei schnar­chen­den Partner/innen, kön­nen die Har­mo­nie und Wah­rung der Anzie­hungs­kraft unterstützen.

Als Aus­gleich nach über­flu­ten­den Erleb­nis­sen oder anspruchs­vol­len Tagen kann hilf­reich sein: in die Natur gehen (Wald­spa­zier­gänge, Sonne tan­ken, am Was­ser sit­zen etc.), Wal­ken, Lau­fen, Tan­zen etc. (Bewe­gung hilft Stress­hor­mone abbauen), genü­gend schla­fen (ohne Wecker auf­wa­chen, Mit­tags­schlaf etc.), näh­ren­des Essen (bio­lo­gi­sche Lebens­mit­tel, gutes Was­ser, wenig Genuss­mit­tel), Medi­ta­tion (in die Stille gehen, Zen­trie­ren im Her­zen, Trance-Reisen etc.), Ent­span­nungs­tech­ni­ken (Auto­ge­nes Trai­ning, Atem­übun­gen, Yoga, Qi Gong etc.), Inte­gra­ti­ons­me­tho­den und ganz­heit­li­che The­ra­pie­an­sätze (Ener­gie­ar­beit etc.), Nachrichten-Fasten (Ver­zicht auf Gewalt­nach­rich­ten in den Medien etc.), seelenvolle/r Lese­stoff, Musik, Kunst, Videos etc. (alles, was das Herz erfreut), warme Bäder / Duschen (z. B. mit Meer­salz für die ener­ge­ti­sche Rei­ni­gung) etc.

Ob Hoch­sen­si­ti­vi­tät als Geschenk und Gabe erkannt oder als Bürde betrach­tet wird, ist indi­vi­du­ell ver­schie­den. Viele HSP rea­gie­ren bereits mit gro­ßer Erleich­te­rung, wenn sie zum ers­ten Mal ihre Ver­an­la­gung rea­li­sie­ren. Etli­che von ihnen hat­ten sich jah­re­lang als ver­rückt, als Außenseiter/innen, „Außer­ir­di­sche“ oder in unse­rer Gesell­schaft nicht über­le­bens­fä­hig emp­fun­den. Im Aus­tausch mit ande­ren HSP kann eine neue Gelas­sen­heit und Stärke ent­ste­hen und das Ken­nen­ler­nen von Mög­lich­kei­ten des Umgangs mit der eige­nen Hoch­sen­si­ti­vi­tät been­det das Gefühl des Aus­ge­lie­fert­seins. Dann wird die hoch­sen­si­tive Ver­an­la­gung immer mehr zur Berei­che­rung in allen Lebens­la­gen und ganz beson­ders in Beziehungen.

Nähere Infos: www.hochsensitiv.net

Buch­tipps zum Thema HSP und Bezie­hun­gen:
Aron, Elaine N.: Hoch­sen­si­bi­li­tät in der Liebe. Wie Ihre Emp­find­sam­keit die Part­ner­schaft berei­chern kann. – Mün­chen: mvg Ver­lag 2006 (2. Auf­lage 2010).

Ska­rics, Dr. Mari­anne: Sen­si­bi­li­tät und Part­ner­schaft. Hoch­sen­si­ble Men­schen erzäh­len. – Wien: Fest­land Ver­lag 2010.

Autorin: Sabine Knoll, Jahr­gang 1966, ist Magis­tra der Publi­zis­tik– und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­wis­sen­schaf­ten, sie arbei­tet seit 1985 als freie Jour­na­lis­tin, Buch­au­to­rin und Semi­nar­lei­te­rin.

Quelle: http://blog.unitepartner.de/hochsensitivitaet-in-liebe-und-beziehung/

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Tags: Beziehung, Bhajan_Noam, Hochsensibilität, Hochsensitivität., Liebe, Meditation, Yoga

Kommentar von Albizia am 28. Juni 2015 um 8:58pm

Namaste, dieser Artikel hat mir sehr gut gefallen und SEHR GUT getan. DANKE

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