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Eine Studie zeigt: das Bewusstsein bleibt nach dem Tod erhalten

Was erwartet uns nach dem Tod? 

Wissenschaftliche Studie an über 2000 Patienten zeigt: Leben nach dem Tod ist real.

Artikel von Eben Alexander & Raymond A. Moody

Die große Frage, was nach dem Tod mit uns und unserem Bewusstsein passiert, beschäftigen seit Jahrtausenden nicht nur Naturwissenschaftler, Philosophen oder Theologen. Jeder von uns denkt auf die eine oder andere Weise darüber nach – und viele wissen inzwischen von Menschen mit Nahtoderfahrungen oder von “Medien”, die mit den Toten “sprechen” können.

Dennoch ist alles ein wenig “wie von einem Schleier” umhüllt und man kann es sich trotzdem nicht genau vorstellen oder verstehen. Als ob noch ein letzter, alles entscheidender Faktor oder Hinweis fehlt, der den Schleier lüften würde. Etwas, was uns die Angst nimmt vor dem Sterben und dem Tod. Eine Gewissheit! Zumindest nach dem heutigen Stand der Wissenschaft und Erkenntnisse.

Wissenschaftler der “University of Southampton” haben nun in einer groß angelegten und vier Jahre andauernden Studie mit der Bezeichnung AWARE (=’AWAreness during REsuscitation’) den Beweis angetreten. Sie sprechen davon, dass das Bewusstsein erhalten bleibt, selbst wenn das Gehirn nicht mehr arbeitet. Ihre Schlussfolgerungen wurden in der Fachzeitschrift “Resuscitation” im Oktober 2014 veröffentlicht. Dieses Magazin beinhaltet alle Themen rund um die “medizinische Wiederbelebung”.

Doch zuerst diese Fragestellung: “Wann ist der Mensch ‘tot’?”

In der Studie konnten glücklicherweise sehr viele Menschen befragt werden, die entweder eine Nahtoderfahrung (NDE=’near-death experience’) oder eine außerkörperliche Erfahrung (OBE=’out-of-body experience’) erlebten. Konkret waren es 2060 Patienten aus 15 verschiedenen Kliniken in Österreich, Großbritannien und den USA. Alle hatten einen Herzstillstand überlebt!

Beinahe 40 Prozent dieser Personen konnten sich an ein “Bewusstsein nach einem Herzstillstand” erinnern – obwohl sie für klinisch tot erklärt worden waren. Rund vierzig Personen hatten dabei eine außerkörperliche Erfahrung – sahen sich selbst quasi von oben oder schwebend und konnsten alles, was in dieser Zeit passiert war, hinterher genau beschreiben! Und neun Prozent erlebten ein Gefühl von Wärme oder das Aufleuchten eines Lichts.

46 Prozent der 2060 untersuchten Patienten allerdings erzählten von Erfahrungen von Angst oder Verfolgung.

“Entgegen dem äußeren Eindruck ist der Tod kein spezifischer Moment, sondern ein potenziell umkehrbarer Prozess, der einsetzt, wenn Herz, Lungen und Gehirn nach einer schweren Krankheit oder einem Unfall nicht mehr arbeiten. Wird der Versuch unternommen, diesen Prozess umzukehren, so sprechen wir von einem ‘Herzstillstand’, unterbleibt dieser Versuch, sprechen wir von ‘Tod’.”

- Dr. Sam Parnia, Mitautor der Studie AWARE

Diese Studie ist nun eine Art “klinische Bestätigung” – besonders für das Thema der außerkörperlichen Erfahrungen. Denn bislang vermuteten die Forscher bei diesem Phänomen, dass der Mensch Illusionen und/oder Halluzinationen erlebt. Diese beeinflussen das Erleben so, als ob es “außerkörperlich” wäre. Doch es gibt also Bewusstsein, auch wenn das Herz für einige Minuten nicht mehr schlägt!

Dr. Sam Parnia sagt dazu, dass dies im Grunde völlig “paradox” ist: “Das Gehirn stellt 20 bis 30 Sekunden nach einem Herzstillstand seine Tätigkeit ein und nimmt sie erst wieder auf, wenn das Herz wieder zum Schlagen gebracht wurde.”

Das wohl wichtigste Ergebnis der Studie war die vermutlich erste klinische Bestätigung für eine außerkörperliche Erfahrung. Ein 57-jähriger Sozialarbeiter beschrieb zutreffend Dinge, die nach Ende der Gehirnaktivität um ihn herum geschehen waren.

»Das ist bedeutsam, denn bisher wurde oft angenommen, Erfahrungen im Zusammenhang mit dem Tod seien nur Halluzinationen oder Illusionen«, so Dr. Parnia, »unmittelbar bevor das Herz stehenbleibt, oder nachdem es wieder zum Schlagen gebracht wurde, aber nicht die Erfahrung ›realer‹ Ereignisse in der Zeit, in der das Herz nicht schlägt.«

»In diesem Fall gab es aber offensichtlich Bewusstsein in den drei Minuten, in denen das Herz stillstand. Es ist paradox, denn das Gehirn stellt normalerweise 20 bis 30 Sekunden nach einem Herzstillstand seine Tätigkeit ein und nimmt sie erst wieder auf, wenn das Herz wieder zum Schlagen gebracht wurde. Darüber hinaus stimmten die detaillierten Erinnerungen visuellen Bewusstseins mit bestätigten Ereignissen überein.«

Die Erinnerungen des Mannes waren nicht nur genau, sondern halfen den Wissenschaftlern, sie zeitlich einzuordnen.

»Der Mann beschrieb alles, was im Raum vor sich gegangen war, vor allem aber hörte er zwei Piepgeräusche von einer Maschine, die in dreiminütigen Intervallen ausgelöst werden. Dadurch konnten wir einordnen, wie lange [die Erfahrung] andauerte«, betonte Dr. Parnia.

»Er erschien äußerst glaubwürdig und alles, was seiner Beschreibung nach mit ihm passiert war, hatte sich tatsächlich so ereignet.«

Die Beschreibungen der Befragten waren so detailgetreu und realistisch, dass es für die Wissenschaftler und Ärzte keinerlei Zweifel geben kann.

Der “Streit” um die Beweisbarkeit von nicht fassbaren und nicht begreifbaren Dingen ist ein großes Thema, denn wir leben immer noch primär materiell-körperlich orientiert. Das so genannte “geistige Leben und Prinzip” ist uns noch nicht vertraut, der Umgang damit muss/darf noch “geübt” werden.

In der Forschung ist es oft so, dass die Fachbereiche getrennt arbeiten und nicht interdisziplinär. Doch der Synergieeffekt wäre genial, wenn Studienergebnisse ausgetauscht oder miteinander in Verbindung gebracht werden könnten.

Das Spannende ist jedoch, dass uralte Weiheitslehren diese Erkenntnisse auch ohne Mesgeräte “erkannt” haben. Ihre Weisheiten erschließen sich in iherer Fülle und Tiefe in Kombination mit den heutigen wissenschaftlichen Ergebnissen immer mehr. Doch die Zeiten der Geheimlehren und Innerer Zirkel sind vorbei… heute steht glücklicherweise jedem ein großer Informationsspeicher zur Verfügung.

Die alles entscheidende Frage ist, ob und wie bewusst wir damit umgehen…

Quelle:
www.resuscitationjournal.com
www.sciencedaily.com/releases/2014/10/141007092108.htm

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Tags: Bewusstsein, Bhajan_Noam

Kommentar von clemens am 9. Januar 2015 um 6:48pm
Hm, die Studie zeigt leider nicht, dass es irgendwas nach dem Tod gibt. Das belegt einfach schon die Tatsache, dass man die "Toten" hinterher interviewen konnte :-).
In der Studie setzen die Autoren die Definition Tod=Herzstillstand aber so einfach gehts nicht, denn es wurden ja Anstrengungen unternommen den Herzstillstand zu behandeln ( Herzmassage, Medikamente,Sauerstoff usw.).
Offensichtlich gibt es einen "Schwebezustand" am Rande des Todes, in dem Hirnfunktionen unerwartet funktionieren, d.h. unter Wiederbelebungsmassnahmen sind Hinrfunktionen jeder Art kurzfristig noch möglich (Sehen,Hören,schmecken, erinnern).
Das zeigt z.B. der neueste Artikel aus dem Resuscitation Journal ("Wiederkehr von Bewusstsein während Wiederbelebungsmassnahmen").
Es gibt noch viel zu entdecken bei der Frage "Was ist Bewusstsein und wie wird Bewusstsein biologisch aufrechterhalten?".
http://www.resuscitationjournal.com/article/S0300-9572%2814%2900801...
Kommentar von clemens am 10. Januar 2015 um 3:30pm
Frau Kübler-Ross hat wertvolle Gedanken im Umgang mit dem Thema "Sterben" populär gemacht- allein es sind Gedanken eines Menschen, der sein Weltbild dargestellt hat,nicht mehr und nicht weniger.
Für sie selbst schien das eigene Weltbild nicht mehr genug Überzeugungskraft gehabt zu haben, als es ans eigene Sterben ging.
Kommentar von clemens am 11. Januar 2015 um 1:10pm
Ich finde leider die ausführlichere Stelle nicht, in der beschrieben wird, wie Frau Kübler-Ross angesichts des eigenen Sterbens sich nicht "gemäß" ihres Phasenmodells verhalten hat .
Ein wenig klingt es in diesem Artikel an:

http://www.spiegel.de/gesundheit/psychologie/palliativmedizin-sterb...

in dem es heisstZitat:"Die Sterbeforscherin Elisabeth Kübler-Ross, die die "fünf Phasen des Sterbens" definierte, forderte: "Man muss loslassen können. Wenn der Sterbende und seine Familie das akzeptieren, ist es das Schönste überhaupt." Doch als sie 2004 selbst sterbenskrank war, wehrte sie sich mit aller Kraft gegen ihren Tod. Das irritierte ihre Drillingsschwester Erika Faust-Kübler: "Sie hat so viel über Tod und Sterben geschrieben, es sogar verherrlicht. Jetzt, da ihre Zeit kommt, sagt sie: 'Ich muss noch dies und das machen.'"Zitat ende

Ein weiterer Einblick gestattet dieser Artikel:

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-8781798.html

Eine durchaus polemische Antwort auf die Arbeit von FRau Kübler-Ross ist hier:

http://www.slate.com/articles/arts/culturebox/2004/09/dead_like_her...
Kommentar von miramuun am 11. Januar 2015 um 5:38pm

Das Sterben oder den Tod bei anderen Menschen mitzuerleben oder mitzubegleiten ist das Eine. Das Andere, das Erleben und erfahren der eigenen Sterblichkeit.

Auf jeden Fall hat Frau Kübler-Ross die Hospiz-Bewegung mit ins Leben gerufen, und vielen Menschen und deren Angehörigen einen Halt in dieser "Ausnahmezeit" mitgegeben und -wenigstens ein bißchen- dem Sterben eine besondere Würde zurückgegeben

aum
miramuun.

Kommentar von clemens am 11. Januar 2015 um 6:59pm
Keine Frage, es hat Frau Kübler-Ross gebraucht, um in unserer Gesellschaft wieder einen menschlicheren Umgang mit dem Thema Sterben/Tod zu ermöglichen, aber auch hier ist die Person vom Thema zu trennen.
Die Überhöhung der Person führt immer auf Abwege.
Ausgangspunkt hier war ja Bhajans Post, dessen Überschrift nicht von der Studie gedeckt ist und die Antwort von Ravidas mit dem Verweis auf das Buch von Frau Kübler-Ross, welches neben den Denkanstössen zum Thema Sterben sehr viel weltanschauliches enthält.
Und wie Bewusstsein entsteht weiss ich auch nicht,leider. Ich verfolge hobbymäßig die neurophysiologische/kognitionswissenschaftliche Diskussion mit ihren philosophischen Konsequenzen aber der Grossteil der Forscherinnen und Forscher auf diesem Gebiet geht momentan von einem biologisch an spezifische Hirnzustände gebundenen Bewusstseinsmodell aus, welches keinen Raum lässt für eine Bewusstseinsentität, wie wir sie kennen, über den Tod hinaus.
Und darunter sind durchaus Leute, die sich mit östlichen Traditionen auseinandersetzen, meditieren,Yoga praktizieren usw.
Kommentar von miramuun am 11. Januar 2015 um 8:37pm

Nahtoderlebnise und Außerkörpererfahrungen sind für mich nur Sichtweisen, ein Wechsel der Perspektiven, die Fähigkeit anders als sonst wahrzunehmen. Bewusstsein nach dem Tod ist nicht gleichzusetzen mit Bewusstseinzuständen bei Nahtoderlebnissen oder "Außerkörpererfahrungen" finde ich. Wenn Menschen erzählen, sie haben dies und jenes gehört und aus einer schwebenenden Perspektive gesehen und gehört sind es doch noch immer nur Sinneswahrnehmungen, mitunter auch sehr feinstofflicher Art. Solange man nicht "richtig" tot ist, ist man es eben nicht.
Der festgesetzte medizinische Todeszeitpunkt ist ein willkürlicher Zeitpunkt, von Wissenschaftlern nach ihren Kenntnisstand festgelegt.

aum
miramuun

Kommentar von haripriya_deepa am 12. Januar 2015 um 7:47am

In seinem Buch "What Becomes of the Soul After Death" zitiert Swami Sivananda einen Vers aus dem Ishavasya Upanishad in dem es heisst:

hiraõmayena pàtreõa satyasyàpihitaü mukham | tattvaü påùannapàvçõu satyadharmàya dçùñaye ||

The face of Truth is covered by a golden vessel. Remove, O Sun, the covering, for the law of the Truth, that I
may behold It!

Ich interpretiere diesen Vers folgendermassen:

Die Wirklichkeit, die wir erleben is voller Schein, aber dahinter liegt die Wahrheit. Die Wahrheit ermoeglicht, dass der Schein wirklich erscheint. Das Leben ist dabei eine Praxis, bei der es um das Entfernen der Schleier des
Scheins geht. Das ist das Herz der Yogapraxis.

Bezueglich des Todes, denke ich, dass die Ereignisse, die wir nach dem Tod erleben davon abhaengen in wieweit oder wie sehr wir den Schleier des Scheins entfernt -und in wieweit wir die Wirklichkeit erkannt haben. Was wir dann nach dem Tod erleben entspraeche dann was oder wer wir bezueglich unserer spirituellen Evolution sind. Wir gehen dann gewissermassen wie durch ein Spiegel und sehen uns selbst. Ich meine nicht so sehr Nase, Mund, Arme, Beine, sondern vielmehr die Qualitaet unseres Bewusstseins. Das "Blueprint" unseres individuellen Selbstes "Jiva" wird uns dargeboten. Manche Menschen habe durch spirituelle Praxis ein Bewusstsein erreicht, die ihnen ermoeglicht die Wahrheit hinter dem Schein zu erkennen. Dann wirkt ihr Bewusstsein durch ihr "Buddhi' oder Intellekt. Aber wenn man sich nicht so weit entwickelt hat, dann sieht man die Sensationen des eigenen Geistes und glaubt eine hoeheres Bewusstsein erreicht zu haben.

Es ist alles sehr herausfordernd und braucht viel Praxis. Jedoch, denke ich, dass man sich auf den Tod gut vorbereiten sollte, damit der Tod angenehm ist ungeachtet dessen wo, wann oder wo durch es geschieht.

Die Veden raten, dass man im Augenblick des Todes an Gott denken sollte, weil man dann sich mit Gott verbindet. Aus diesem Grunde wird geraten regemaessig zu chanten oder sich Gott zu besinnen, weil man dann im Augenblick des Todes automatisch an Gott denken wuerde.
Om Om Om

Kommentar von Bhajan Noam am 12. Januar 2015 um 10:42am

Das 6. Kapitel aus meinem Buch "DIE NACHT MIT ELIA"

Dritte Auflage Oktober 2012 - ISBN 978-3-00-027486-2

 

Die letzte Frage

Ein junger Chassid, zitternd und mit wirrem Blick aus geröteten, flackernden Augen, stürmte beim Rabbi zur Tür herein und stieß mit sich überschlagender, heiserer Stimme aus sich heraus: „Rabbi, Meister! Mich bedrückt seit Tagen eine einzige Frage. Ich bin noch jung und gesund, deshalb ist es mir wahrhaftig peinlich, sie dir zu stellen. Doch diese Frage schwirrt in meinem Kopf herum und lässt mir keine Ruhe mehr. Ich kann nachts nicht schlafen. Ich bin tagsüber bei der Arbeit unkonzentriert. Gestern hätte ich fast einen schlimmen Unfall mit meinem Auto verursacht – ich hätte sterben können und andere mit – weil ich unablässig über diese verdammte Frage nachdenken musste und dabei nicht bemerkt hatte, dass ich wohl schon seit Minuten auf der Gegenspur fuhr! Und so bin ich, im Konjunktiv betrachtet, bereits zu spät mit dieser Frage an dich, Meister...“ 

„Mosche, mein Lieber, langsam! Was hast du denn für eine Frage, die du eigentlich gar nicht mehr stellen könntest? Du machst deinen armen Rabbi ganz wirr in seinem alten Kopf. Aber zunächst bin ich erstmal froh, dass du lebendig hier vor mir stehst. Und soll ich dir verraten, warum? Ich kann beim besten Willen einer Leiche nicht im Plusquamperfekt konjunktivische Fragen beantworten, weil das gegen jegliche Kausalität verstößt, die auch ein Rabbi nicht so ohne weiteres und ohne den HERRN zu fragen, gesegnet sei ER, ignorieren kann.“  – 

Daraufhin verneigte sich der junge Chassid tief und wollte wieder hinausgehen; aber der Meister hielt ihn prompt am Ärmel fest und raunzte: „Du glaubst jetzt verstanden zu haben, aber glaubst du, auch ich habe verstanden? Stelle mir also bitte deine Frage und dann wollen wir zusammen etwas tiefer schauen. Setz dich doch. Wärest du nicht mehr am Leben, hättest du jetzt Muße, bis der Messias einst kommt. Nimm dir eine halbe Stunde davon. Und trink doch bitte einen Tee.“ Der Chassid  nahm zögernd Platz. Sein Zittern hatte aufgehört und auch sein Blick war nicht mehr so verstört. „So Mosche“, sagte der Meister, der seine Tasse absetzte, „du hast einen kleinen Teil schon verstanden, aber nicht tief im Herzen, nicht mit der ganzen Seele.“ 

„In deiner Nähe“, begann Mosche, „ist mein Verstand ruhig geworden und die Frage, ja jede Frage scheint verschwunden zu sein. – Doch ich weiß, dass sie ohne deine Gegenwart mich wieder genauso quälen wird wie zuvor. Und ich glaube auch, dass sie eine tiefe Bedeutung für mich hat; denn es ist, wenn man so will, die letzte Frage, die fundamentale Frage. Sie lautet: Wie bereite ich mich vor auf meinen Tod?“

Der Meister, der scheinbar ganz in sich versunken gerade die Teetasse zum Mund führen wollte, musste sie schleunigst wieder absetzen, weil ihn ein heftiges Lachen zu schütteln begann, das für einige Minuten anhielt. Nachdem er sich die Tränen aus dem Gesicht gewischt hatte, blickte er den jungen Chassid lange aus seinen dunklen, tiefgründigen Augen an. Und für Sekunden, vielleicht auch für Stunden – niemand vermag es zu sagen – verharrte der Kosmos in heiliger Stille. Dann erst, als der Meister erneut zu seiner Tasse Tee griff, drang schallend Vogelgezwitscher, Kinder-lachen, Marktgeschrei und der ganze Verkehrslärm durch ein Fenster, das der Wind geöffnet hatte. Der Meister verschloss es lächelnd und wandte sich wieder Mosche zu. Sehr sanft antwortete er nun: 

„Steht nicht in der Thora: Da spricht Kain zu seinem Bruder Abel, lass uns aufs Feld gehen. Und als sie auf dem Feld waren, erhob sich Kain wider seinen Bruder Abel und schlug ihn tot. – Konnte Abel sich vorbereiten? Nein, er war ahnungslos. Der Tod kam plötzlich. Und nicht nur das, vergiss nicht, Abel ist der erste Tote in der Schöpfung. Er wusste ja nicht mal, dass es den Tod überhaupt gibt. Seine Eltern waren noch am Leben, sein Bruder lebte. Und weit und breit gab es sonst  niemanden, den er hätte sterben sehen können.“ 

„Sagt uns das nicht, du weißt nichts über den Tod; du kennst weder die Zeit, wann er dich abholt, noch den Ort, wo er erscheinen wird. Und noch wesentlicher: Du kannst nichts über die Qualität des Todes wissen. Ist er gut, ist er schlecht? Hat er überhaupt eine Eigenschaft oder Substanz? All das wissen wir nicht. 

„Und nur wenige Absätze später sagt die Thora: Henochs ganzes Alter ward 365 Jahre. Und weil er mit Gott wandelte, nahm ihn Gott hinweg und er ward nicht mehr gesehen.  – War das der Tod? Ist Gott der Tod? Und wenn Gott selbst der Tod ist, wo ist dann das Problem?  Oder: Wie könnten wir ihn dann je erforschen oder berechnen? Und dann: Ist Gott nicht das Leben? Und wenn er beides ist, das Leben und der Tod, ist dann nicht auch der Tod Leben? Und wem gilt dann die Vorbereitung?“ 

„Gehen wir aber zunächst noch einige Seiten weiter in der Thora. Da lesen wir über Abraham: Und Abraham verschied und starb in gutem Alter, als er alt und lebenssatt war, und wurde zu seinen Vätern versammelt. – Und gleiches steht über Isaak und gar über Hiob geschrieben. Sie starben alt und lebenssatt.“ 

Der Meister legte seine beiden Hände mit warmer Schwere auf Mosches Schultern und schaute ihm aus nächster Nähe mit seinen alles durchdringenden, väterlichen Blicken in die Augen. Mosche kam es so vor, als wenn ein helles Leuchten mehr und mehr das Haupt des Meisters umgab, während dieser mit jedem Wort tiefer in sein Herz und seinen untersten Seelengrund eindrang: „Lebenssatt heißt, du hast das Leben ausgeschöpft, hast es kennen gelernt in all seinen Facetten, hast dich ihm total hingegeben, hast geliebt, gelitten, gefeiert, getrauert, hast Reichtümer erworben und wieder hergegeben, hast Freundschaft und Feindschaft erfahren, hast eine Familie gegründet und Kinder gezeugt, hast eine gute oder schlechte Ehe geführt und deine Kinder großgezogen, hast deine Eltern begraben und nach und nach den einen oder anderen Freund, bist sanftmütiger und bescheidener geworden, dankbarer für deine Erdentage, blickst zurück auf das Getane und denkst an alles Ungetane, genießt die Gespräche, die Erinnerungen und den Moment, das Glas Wein, das fruchtbare Land und die Sonne. Und dann...  bist du alt und lebenssatt gegangen. Wohin? Abraham ging zu seinen Vätern. Ist das nicht wunderbar? Aber musst du schon vorher wissen, wie und wohin du gehst? Und wohin geht deine Kraft, wenn du in Gedanken, während du lebst, beim Tod bist?“ 

Der Meister entließ Mosche aus seinem festen Griff und Blick und lehnte sich für eine Weile mit geschlossenen Augen in seinem Stuhl zurück. Mosche hingegen konnte seine Augen nicht abwenden von diesem alten, starken Mann, den er gerade zu lieben begann, wie er noch nie zuvor geliebt hatte. Es war die lichtvolle Gegenwart Gottes, es war der feurige Atem Gottes, der ihm entgegenschlug. Er begann hemmungslos zu weinen aus Freude und Schmerz, aus Dankbarkeit und Unerklärbarem. Und er verstand in diesem Moment, dass Gott nicht zu verstehen ist, sondern nur gefühlt werden kann. 

Fast flüsternd, als weihte er ihn nun in ein tiefes Geheimnis ein, fuhr der Meister fort: „Das Hohe Lied Salomos besingt den Augenblick. Und ist der Augenblick, besungen, mit Tanz und Freude gelebt, mit voller Bewusstheit zelebriert, nicht alles was ist?  –  ‚Steh auf, Nordwind, und komme, Südwind, und wehe durch meinen Garten, dass der Duft seiner Gewürze ströme!’“  – 

„Was braucht es mehr? Ist er nicht vollkommen, dieser Augenblick! Der Wind aus dem Norden und der Wind aus dem Süden. Das Strömen der Düfte süßer Gewürze!   Aaah!“ 

„Vergangenheit und Zukunft sind blasse Träume, Geburt und Tod fade Vorstellungen. Du kannst nur diesen Moment kennen, indem du ihn lebst, diesen Wind, indem du ihn spürst, diesen süßen Duft, indem du ihn ganz in dich eindringen lässt. Wirst du nicht selbst zum Nordwind und Südwind und zum taumelnden Schmetterling in all den betörenden Düften, hast du dein ganzes Leben versäumt. Dann bist du vielleicht jetzt schon tot und merkst es gar nicht. –  Bereite dich nicht auf den Tod vor, sei bereit für das Leben. Und sei immer offen für eine Überraschung!“

Hier endete der Meister abrupt und seine Stimmung schien plötzlich verändert. Ungeduldig warf er Mosche fast auf die Straße, laut schlug die Tür hinter dem jungen Schüler zu.  – Und der tanzte freudetrunken und selbstvergessen im Mondlicht nach Hause.

- Bhajan Noam -

Seiten des Lebens: www.bhajan-noam.com

*** 

Kommentar von Bhajan Noam am 12. Januar 2015 um 2:44pm

Sehr geehrter Herr Jahnke, es ist Ihnen hoffentlich bewusst, dass ich Sie hier momentan lediglich dulde. Da Sie, wie Sie mehrfach betonten, meine Texte nicht lesen, ist es mir ein Rätsel, wie Sie diese kommentieren können und welches Interesse Ihrerseits überhaupt daran besteht. Da dies mein Blogbeitrag ist, hätte ich es nach der Ihnen bekannten Vorgeschichte als höflich empfunden, wenn Sie mich zuvor gefragt hätten. Wie auch immer, ich komme gerne in Frieden mit allen Menschen aus. Sie sollen einfach nur wissen, dass nichts in diesem Universum selbstverständlich ist, sondern einer Bemühung bedarf, in diesem Fall vielleicht eines freundlichen Austauschs. Om Shanti. 

Kommentar von Bhajan Noam am 12. Januar 2015 um 4:55pm

Das ist doch nun wirklich keine Antwort von einem intelligenten Mann. Aber es ist viel Zeit zum Üben. 

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