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Anekdote von Hamed Abdel-Samaddeutsch-ägyptische Schriftsteller und Politologe

Vor vielen Jahren war ich noch ein sehr gläubiger Muslim. Ich war befreundet mit einem deutschen Theologie-Studenten in Augsburg, der Religionslehrer werden wollte. Er hat mir folgenden Witz erzählt: 

Ein Metzger aus Bayern kommt in den Himmel. Petrus stoppt ihn an der Pforte und durchsucht seine Tasche. Er entdeckt darin eine Weißwurst und fragt erstaunt: Was ist denn das? Das ist meine Nahrung, ich kann ohne sie nicht leben, antwortete der Bayer. Petrus weigert ihm den Eintritt bis er in Erfahrung bringt, was das sei. Petrus fragt Jesus ob er dieses längliche Zeug identifizieren kann. “Nein, Petrus, frag doch meine Mutter. Sie war häufiger auf dem Markt als ich”. Petrus fragt Maria ob sie dieses Ding kennt. Sie nimmt’s in die Hand und tastet daran vorsichtig. “Gesehen habe ich es nicht, aber irgendwie fühlt es sich an wie der Heilige Geist!” sagte Maria. 

Ich war schockiert als ich den Witz hörte. Wie kann ein gläubiger Christ, der auch noch Religionslehrer werden wollte, so einen Witz über die heiligsten Figuren des Christentums machen? Und wenn er so sarkastisch mit seiner eigenen Religion umgeht, wie würde er dann mit meiner umgehen?

Ich habe ihn danach gemieden. Ich hatte Angst vor dem Einfluss der Freiheit auf mich, verbarrikadierte mich hinter meinem Glauben und wurde immer radikaler! 

Lange Rede, kurzer Sinn:

Satire ist eine wunderbare Sache. Sie greift Ängste an, die man gerne verstecken will. Sie reißt die Masken von alten und neuen Mythen herunter, relativiert Götter und Kultfiguren, und somit befreit sie uns. Deshalb sind Diktatoren wahnsinnig humorlos und reagieren mit Gewalt auf Satire! Denn unsere Angst ist ihre Herrlichkeit!

Heute bin ich nachträglich für jeden dankbar, der mich früher durch Satire oder Kritik am Islam provoziert hatte. Heute kann ich über alles lachen, was humorvoll ist. Heute verstehe ich den alten Freund aus Augsburg: Erst die Freiheit macht es möglich, dass man gläubig sein kann und trotzdem über seine Religion lacht!

(Quelle: Handelsblatt)

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Tags: Bhajan_Noam, Humor, Religion

Kommentar von miramuun am 20. Januar 2015 um 6:56pm

Auch ein Satire-Magazin hat Verantwortung...wenn es mit dieser Verantwortung nicht umgehen kann, und bei so hochbrisanten Themen noch Benzin ins Feuer gießt der macht sich mitverantwortlich, für das was daraus entstehen kann.

Es ist durchaus bekannt, wie schnell so etwas eskalieren kann... wers da noch witzig findet...

ja, dann lieber als humorloser Gutmensch beschimpft, wie Mitläufer oder Mitlacher und Mitverantwortlicher sein

Vielleicht ist hier beim Thema auch nur Unterscheidungskraft gefragt, denn " Religion und Humor " nimmt Bezug auf aktuelle Ereignisse-...

aum
miramuun

Kommentar von miramuun am 20. Januar 2015 um 7:03pm

Schon vergessen, wie schnell man sich verletzt fühlen kann ? Und dann entsprechend heftiger reagiert ? Und würdest du es mit Humor sehen, wenn du, wie du es hier wiedergibst, verarscht wirst?

Diese Sendungen wie heute show und wie sie alle heißen, zeigen es deutlich, wie weit weg der Mensch von spirituellen Wurzeln ist.

Ein ostdeutscher Freund von mir hat, als wir uns kurz nach dem Mauerfall kennenlernten, gesagt "Jeder hat das Recht auf Verarschung!" Das ist mir dauerhaft in Erinnerung geblieben!
Kommentar von D.Jahnke am 20. Januar 2015 um 7:17pm

Man lernt am Besten an sich selbst - auch die Verarschung...

Kommentar von Bhajan Noam am 20. Januar 2015 um 7:17pm

Liebe Miramuun und liebe Cornelia u. a., hier beginnt sich wieder etwas hochzuschaukeln. Das hatten wir schon einmal auf meinem Blog. Es wäre mir lieber, wenn wir mit einander Spaß haben, es geht schließlich um Witze. Nicht vergessen! ;-)

Ich fasse mich kurz, damit es verstanden wird. Mit meinem Beitrag "Religion und Humor" habe ich hier ein positives Beispiel zum Thema Satire aus dem "Handelsblatt" übernommen. In dieser realen Geschichte aus dem Leben des Schriftstellers Hamed Abdel-Samad hat dessen Freund, ein christlicher Theologiestudent, seine eigene Religion verulkt, nicht die seines Freundes. Und am Ende lernte Hamed, der noch etwas fanatisch gewesen war, dadurch auch mit seinem eigenen Glauben entspannter umzugehen. - Das Gegenteil von Ahimsa, nämlich Gewalt, kann ich in diesem Witz beim besten Willen nicht entdecken. Wenn wir jedoch in der Yoga-Terminologie bleiben wollen, dann könnte man sagen, dass dieser Witz bestimmt nicht sattwig ist, sondern eher rajasisch. Das ist nun aber mehr oder weniger jeder Witz, sonst wäre er keiner.

Im Jüdischen wird als Humor bezeichnet, wenn man in der Lage ist, über sich selbst zu lachen und damit dem anderen den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Was im Speziellen das "Satire"-Magazin Charlie Hebdo betrifft, das ist nach meiner Sichtweise ein besonders delikater Fall mit Verflechtungen bis in "höchste" sehr dubiose Kreise. Und das Attentat bedarf noch eingehender Untersuchungen. Da ist Hollywood näher als Mekka, vorsichtig formuliert.

Also liebe Leute, kommentiert hier bitte im Sinn von echtem Humor, der uns hoffentlich nie ausgehen wird und der nicht eine Verpackung für unterdrückten Hass oder persönliche Animositäten ist.

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Kommentar von miramuun am 20. Januar 2015 um 7:36pm

Es geht allgemein um Witze ? Ach, dann habe ich mich verlesen,, dachte es ging um aktuelle Ereignisse zu Religion und Humor...
und ein dreckiger Witz als positives Beispiel, kann man sehen wie man möchtze, und diese Geschichte oben ist keine reale Geschichte es steht da klar : eine Anektode, kann also durchaus erfunden sein.....nur um einen Standpunkt rüberzubringen

Und dann wäre eine Witze-Seite besser als eine aktuelle Bezugnahme zu traurigen Ereignissen.

Wie dem auch sei... ich habe alles gesagt bzw. geschrieben...

aum
miramuun

Jutta Hebbedanz Kommentar von Jutta Hebbedanz am 20. Januar 2015 um 8:18pm

Tatsächlich! Cornelia hat es vorausgesehen.

Es ufert aus in Humorlosigkeit und Vorwürfe.

Wolfgang Borchert hat vor 70 Jahren auch den falschen Witz erzählt in der Gegenwart des falschen Zuhörers.

Hat ihm gar nicht gut getan.

Und nun die nette Liste über wen wir lästern sollen, cool!

Liebe M.,

gelästert wird nur über Leute, die inkongruente Aussagen machen.

So wie Heine damals, der Erfinder des Lästerns:

"Sie predigen öffentlich Wasser und trinken heimlich Wein."

Jaya mata Saraswati - Y e t i

Jutta Hebbedanz Kommentar von Jutta Hebbedanz am 20. Januar 2015 um 8:21pm

Liebe Miramuun,

es sind Originalzitate von Leuten, die in der Heute Show gebracht werden.

Du magst die Heute Show nicht?

Wie schade...

Kommentar von miramuun am 20. Januar 2015 um 9:26pm

Y e t i oder Jutta Hebbedanz oder Ravidass die Handschrift bleibt ein und dieselbe ... wenns nicht so ernst wäre.. könnt ich vielleicht darüber lachen.

aum
miramuun

Kommentar von Cornelia am 20. Januar 2015 um 9:44pm

Auch ein Yogi:

Kommentar von Cornelia am 20. Januar 2015 um 9:45pm

Witzig genug? ;-)

Kommentar

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