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Buchempfehlung: "24 Stunden. Ein Tag im Leben deines Körpers" von Jennifer Ackerman

Der menschliche Körper ist ein stiller Arbeiter. Unaufällig verrichtet er seine Dienste. Die Wissenschaftsjournalistin Jennifer Ackerman lenkt mit ihrem Buch "24 Stunden" den Blick auf das eigene Innenleben und gibt dem Leser Informationen an die Hand, um den Körper besser zu verstehen und zu behandeln.

Das Buch "24 Stunden. Ein Tag im Leben deines Körpers" ist ein Hohelied auf unseren Leib. Gleich zu Beginn zitiert Jennifer Ackermans den heiligen Augustinus. Wir würden hohe Berge und den Lauf der Sterne bewundern, seien jedoch blind für das Wunder im eigenen Innenleben. Diesen Vorwurf greift die Autorin mit ihrem Buch auf und begibt sich auf eine eindrucksvolle Forschungsreise von Kopf bis Fuß durch einen erwachsenen Menschen. Was tut unser Körper wie ein braver Arbeiter, während wir miteinander reden, wenn wir essen, spazieren, einander lieben und welche innere Uhren ticken dabei? Danach fragte Jennifer Ackerman Wissenschaftler auf der ganzen Welt. 

Der Buchtitel "24 Stunden. Ein Tag im Leben deines Körpers" verrät, dass die Autorin ihr Thema im Rhythmus des Tages strukturiert. Sie startet mit dem Kapitel "Morgen" um 5.28 Uhr, wenige Minuten bevor die Autorin üblicherweise aufsteht. Wieso werden wir wach, bevor der Wecker klingelt? Bereits die Erwartung lässt auch im Unterbewusstsein das Gehirn einen entsprechenden chemischen Prozess auszulösen. Der anschließende Morgenkaffee erregt nicht eigentlich unsere Nervenzellen, sondern durchkreuzt jenen Prozess, der deren Aktivität dämpfen würde. Auf einem imaginären Weg zur Arbeit stellt die Autorin klar, warum das viel gepriesene Multitasking nur wenig effektiv sein kann. Sie beschreibt, wie unser Gehirn arbeitet und warum die meisten Menschen zweieinhalb bis vier Stunden nach dem Aufwachen geistig in Topform sind. 

Mittags geht es um den Magen und wie eine raffinierte Mischung verschiedener Botenstoffe bestimmt, was wir essen und wie viel. Hochleistung vollbringen dabei unsere Zähne. Bis zu 60 Kilogramm Druck übt unser Kiefer beim Kauen aus. 

Das Tief am Nachmittag gibt der Autorin Anlass, über Erschöpfung, Stress, Angst und Depression zu reden. Am Abend begleiten wir sie auf eine Party und erfahren, warum wir Namen, aber nicht Gesichter vergessen und dass Männer Frauen gerade während ihres Eisprunges attraktiv finden. Im Kapitel über die Nacht geht es um die sexuelle Anziehung und welche Rolle Gerüche dabei spielen, um Orgasmen, den Schlaf, Alpträume. 

Dabei greift die Autorin neuste Einsichten der Chronobiologie auf. Unser Körperrhythmus entscheidet nicht nur, ob wir eine Lerche oder Eule sind. Hochsensibel nimmt die innere Uhr eines Menschen den Rhythmus des Kosmos auf und erlaubt den Körper das Richtige zum richtigen Zeitpunkt zu tun. Wer ohne Schmerz die Behandlung beim Zahnarzt überstehen will, sollte ihn nachmittags besuchen, wenn die Schmerzschwelle bei den Zähnen am höchsten ist, verrät uns Jennifer Ackerman. Und Alkohol kann die Leber am besten zwischen 17 und 18 Uhr entgiften. Diese Körperrhythmen zu kennen, kann lebensverlängernd oder -rettend sein, wenn es um Chemotherapie bei Krebs geht. Die Behandlung kann erfolgreicher und weniger belastend sein, wenn sie zu dem Zeitpunkt durchgeführt wird, zu dem sich die Krebszellen teilen – ein Wissen, das Ärzte noch viel zu wenig nutzen. 

Andere Bücher berichten, wie man seinen Körper schlanker, stärker, leistungsfähiger formen und gesund erhalten kann. Jennifer Ackermann geht es nicht um seine Manipulation, vielmehr darum, wahrzunehmen, was ist. Wir haben nicht einfach nur einen Körper. Wir sind Körper, das ist ihre Botschaft. Anrührend und mit einer zärtlichen Sprache beschreibt die Autorin beispielsweise, was in unserem Ohr geschieht, wenn wir hören. Ihre ganze Wertschätzung gilt den winzig kleinen Haarzellen, die in einem Zickzackmuster in der Gehörschnecke des Innenohrs angeordnet sind und uns auch Stille wahrnehmen lassen. Solche detailreichen Entdeckungen finden sich unzählige in dem Buch. So fundiert und poetisch zugleich wurde noch nicht über das Leben in uns geschrieben. 

Dabei weiß Jennifer Ackerman, wie man riesiges Thema angeht, ohne den Leser auf der Strecke zu lassen. Man muss nicht Biologe sein, um sie zu verstehen. Als amerikanische Wissenschaftsjournalistin, die für den National Geographic und die New York Times schreibt, ist sie geübt, komplizierte Sachverhalte in eine verständliche Sprache zu übersetzen. Vier Jahre recherchierte sie für das Buch und auch die Auseinandersetzung mit dem Krebstod ihrer Mutter und das Leben mit einer behinderten Schwester motivierte sie zu Fragen an die Wissenschaft. Zweieinhalb Seiten lang ist die Aufzählung der Experten aus den USA, England, Kanada, auch Deutschland, die die Autorin mit ihren jüngsten Forschungsergebnissen unterstützten. Dabei macht den besonderen Wert des Buches aus, dass die Autorin immer wieder danach sucht, welche Informationen den Lesern dienen, ihre Körper besser zu verstehen und zu behandeln. Mit ihren Bestseller lehrt sie uns vor allem eines: Mehr Respekt vor unserem Sein und den natürlichen circadianen Rhythmen. Mit ihrem unterhaltsam geschriebenen Sachbuch vermittelt sie nicht nur die neuesten Erkenntnisse über die menschliche Physiologie. Sie gibt uns Lesern auch eine Ahnung, wer wir eigentlich sind. 

Rezensiert von Barbara Leitner

Jennifer Ackerman: 24 Stunden. Ein Tag im Leben deines Körpers
Deutsch von Monika Niehaus
Rowohlt Verlag Hamburg 2009
320 Seiten, 19,90 Euro

Seiten des Lebens: www.bhajan-noam.com

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Tags: Bhajan_Noam, Buch, Buchempfehlung, Körper, Leben, Mensch, Rhythmus

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