Eine meiner Niederlagen

Du fragst wie es mir geht? - Mir geht es nicht so gut!
ich habe Schuldgefühle meinem Vater gegenüber. ich habe ihm nicht geholfen, so sehe ich das wenigstens, als er meine Hilfe brauchte.

Was ist passiert?
Ich habe meine Eltern im Seniorenwohnheim besucht. Als ich in das Zimmer komme, weiß ich nicht, das mein Vater schon einige Zeit nichts mehr gegessen hat und sterben möchte.
Und ich weiß nicht, das er am nächsten Morgen nicht mehr leben wird!

Als ich also neben das Bett trete sagt er Piccolo, Piccolo. Ich sehe die kleine Sektflasche
auf dem Nachtisch und gebe sie ihm n i c h t, weil ich denke, Alkohol kann doch nicht gut sein, in seinem geschwächten Zustand...

Ich habe ihm seinen wohl letzten Wunsch nicht erfüllt und das macht mir noch heute zwei Jahre später zu schaffen!

Wie schön, wäre es doch gewesen, wenn wir beide an seinem Abschiedsabend einen Sekt getrunken hätten, auf sein verflossenes Leben, auf seine Höhepunkte und Lieblingsmomente...

Hast du schon ähnliches erlebt? hast du auch Schuldgefühle?

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    dermitdemhut

    Ich habe etwas ähnliches erlebt. Mein Patenonkel hatte selbst keine Kinder und so war ich für ihn wie ein eigener Sohn. Er liebte mich innig und ehrlich. Nahm mich immer an wie ich war. Doch war er alkoholkrank und depressiv. Über die Jahre ist viel Leid in unserer Familie wegen seiner Krankheit entstanden. Am Ende seines Weges hatte er so viel getrunken, dass sein Körper dadurch gestorben ist. Er lebte bei seiner Mutter, meiner Großmutter, die mich schließlich auch hilfesuchend anrief und mich bat ihn ins Krankenhaus zu fahren, weil er Delirium-Tremens hatte und immer wieder bewusstlos war. Ich war so erzürnt darüber, dass er seiner Mutter solche Sorgen bereitete, dass ich Ihn ins Krankenhaus brachte und nie wieder von ihm hören wollte. Er hatte dann nur noch wenige Wochen zu leben und fragte bei jeder wachen Minute nach mir, ob ich ihn besuchen würde. Doch ich blieb stur. Ich wollte ihn nicht mehr sehen, ihn gar bestrafen. Ich glaube heute er wusste selbst, dass er sterben wird und viel Fehler gemacht hat. Ich bin traurig, dass ich ihm seine Fehler nicht verzeihen konnte und ihm seinen Wunsch sich von mir zu verabschieden verweigert habe. Er war ein guter Mensch mit viel Herzenswärme. Es macht mich immer noch sehr traurig, dass ich mich so entschieden habe. Ich werde heute meditieren und ihm Liebe senden.

    om-shanti

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    Diamir

    Alkoholismus ist kein Fehler sondern eine schwere geistig/körperliche Erkrankung.

    Der Alkoholiker trinkt nicht freiwillig.

    Woher ich das weiß? Ich war 25 Jahre Alkoholkonsument, davon 10 Jahre schwerwiegend. Ich weiß wovon ich rede.

    Alkohlismus ist eine von der Rentenkasse und von den Krankenkassen anerkannte Krankheit und keine Charakterschwäche.

    Ich habe in diesem Jahr mein 25jähriges Jubiläum als zufriedener Abstinenzler. :-D

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    Maeggie

    Eine Suchtkrankheit sucht sich niemand aus. Aber als Kind eines Alkoholikers weißt du das nicht.
    Es versaut dir eine wichtige Lebensphase gründlich und nachhaltig.

    Gott sei Dank ist das nicht irreparabel. Man kann den Mist, den ein Alkoholiker bei seinen Kindern anrichtet, nicht ungeschehen machen. Aber so wie eine Suchtkrankheit therapierbar ist, gibt es auch gute Hilfsangebote für Angehörige.

    Woher ich das weiß? Aus eigener Erfahrung.
    Aber ich habe meinen Frieden damit gemacht und schließlich verstanden, dass es da nichts zu verzeihen gab.

    Glückwunsch zu deinem Abstinenzjubiläum. Bei meinem Vater waren es letztes Jahr 30 Jahre. Gebe Gott, dass noch viele weitere Jahre dazukommen.