Kriegstraumata der Ahnen

Am Dienstag fand bei mir von 18 bis 21 Uhr eine Veranstaltung zum Thema Kriegstraumata statt. Deutschland ist geprägt von zwei großen Weltkriegen im 20. Jahrhundert. Jetzt sind wir seit 75 Jahren kriegsfrei. Aber natürlich ist die Generation unserer Eltern und Großeltern stark traumatisiert. Diese Traumata werden von den Eltern an die Kinder und Kindeskinder weitergegen. Es ist Zeit diese Traumata aufzulösen. Zwei bekannte Psychologinnen machten bei mir mit acht Teilnehmerinnen eine Familienaufstellung, um die energetischen Strukturen aufzuarbeiten.

Die eine Ausbilderin kam bereits am Montag Nachmittag. Ich hatte einen Abend Zeit um mich alleine gründlich mit ihr zu unterhalten. Ich war ziemlich aufgeregt, weil sie als Erleuchtete gilt. Sie hatte sich 2009 mit der Urquelle (dem Licht) verbunden und konnte diese Energie auch an andere weitergeben. Auf einem Erleuchtungskongress in Berlin war sie als Erleuchtete anerkannt worden.

Ich war gespannt, wie eine Erleuchtete so ist. Sie wirkte sehr normal, ruhig, freundlich und bescheiden. Wir mochten uns und erzählten von unseren spirituellen Erfahrungen. Dabei muss sich irgendeine Energie auf mich übertragen haben. Jedenfalls konnte ich in der Nacht nicht schlafen und den ganzen nächsten Tag arbeitete es in mir. Ich stand wie unter Strom. Ich sehe das als Reinigungsprozess, der mich auf meinem spirituellen Weg voran gebracht hat. Ich habe das Gefühl, dass sich unsere Energien angeglichen und wir gegenseitig von uns profitiert haben.

Am Dienstag Nachmittag kam dann die zweite Ausbilderin und beide bezogen gemeinsam eine Retreathütte. Sie waren begeistert von der schönen Landschaft und Natur um uns herum. Barbara war auch da und versorgte uns mit schönem Essen. Am Abend tauchten dann nach und nach die Teilnehmerinnen des Seminars ein. Sie berichteten von ihren persönlichen Problemen und versuchten sie mit der Familienaufstellung, einer Art Rollenspiel der jeweiligen Familiensituation, zu bearbeiten.

Mich beschäftigte sehr meine Großmutter Frieda, die im 1. Weltkrieg ihren Mann und ihren Sohn verloren hatte und daraufhin meinen Großvater geheiratet hat. Beide kauften mit dem Erbe meiner Großmutter das Retreathaus und lebten dort viele Jahrzehnte. Bis ich dann 1971 das Haus übernahm, weil meine Großmutter gestorben war und mein Großvater ins Altenheim zog. Und natürlich ist das Haus von den Energien meiner Großeltern geprägt.

Mein Großvater war ein Kriegsheld und hatte starke innere Kraft. Er hatte als Gardesoldat mit dem Heer des deutschen Kaisers in der Schlacht von Tannenberg das russische Heer besiegt. Später kämpfte er dann in Frankreich, wo das deutsche Heer besiegt und mein Großvater schwer verletzt worden war. Seine Beine waren durch eine Granate zerstört und er konnte Zeit seines Lebens nur noch humpeln. Aber er war ein Idealist, ließ sich davon nicht unterkriegen, wurde 1918 Kommunist und lebte für eine Welt des Friedens, der gerechten Verteilung des Reichtums und des Glücks. In der Zeit der Nazis wurde er ein Widerstandskämpfer, der nur knapp dem Konzentrationslager entkam. Mein Großvater war in meiner Jugend für mich ein großes Vorbild.

Meine Großmutter hatte viel Liebe in sich. Sie hat mich bedingungslos geliebt und mir dadurch ein offenes Herz geschenkt. Aber sie hatte auch viele Ängste. Sie war ein sehr ängstlicher Mensch. Sie litt stark unter ihren Kriegstraumata. Sie war eine gute Hausfrau. Sie kochte gut und pflegte den Holzfußboden des Hauses immer stark mit Bohnerwachs. Das ganze Haus roch in meiner Kindheit nach Bohnerwachs.

Und einen Tag bevor das Seminar stattfand, spürten Barbara und ich plötzlich wie eine Wolke aus Bohnerwachs durch das Haus zog. Barbara war der Meinung, dass Frieda jetzt anwesend ist, um an dem Seminar teilzunehmen. Dadurch kreisten meine Gedanken während des Seminars um meine Großmutter. Ich fühlte mich mit ihr verbunden, schickte ihr Liebe und Licht und versuchte ihre Ängste aufzulösen. Wie löst man Ängste auf? Indem man noch einmal das Leid des Krieges spürt, hindurch geht und durch das große Verzeihen zum inneren Frieden findet.

Auf dem Bild: Meine Mutter, ich, meinen Großmutter und mein Großvater