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"Neuer" Ansatz in der Praxis zur Entlastung bei Rückenproblemen, insbesondere Rückenschmerzen

Aufgrunddessen, dass meine Diskussion, eröffnet am 02.04.2009 auf dem Forum 'Hatha Yoga, Yogatherapie und Yogaunterricht' auch gut hier in den Gesamtzusammenhang passt, möchte ich diese auch hier anbieten:

Wie im ZDF-Morgenmagazin vom 26.03.2009 berichtet wurde, scheint in Expertenkreisen eine Abkehr von der bisherigen Praxis der Entlastung des Rückens stattzufinden. Nach bis dato herrschender Meinung sollten schwere Gegenstände zur Entlastung des Rückens, insbesondere, wenn schon Schmerzen auftreten, durch Gehen in die Hocke (Knie), so nah wie möglich am Körper, mit geradem Rücken und aus den Beinen heraus, indem diese wieder gestreckt werden, angehoben werden.

Neuere Untersuchungen der Göttinger Schmerzklinik belegen, dass gerade diese Technik des Hebens den Rücken so weit zu entlasten scheint, dass eine dauerhafte Praxis dieser Art die Rückenmuskulatur derart schwächen kann, dass das wiederum zu Schäden führen, oder vorhandene Schäden und/oder Schmerzen verstärken könnte. Deshalb kehrt man insoweit zurück zu der früheren Annahme, dass das Heben mit abgerundetem Rücken die korrekte Form des Verhaltens sei, da hierbei die Rückenmuskulatur gestärkt und so weiteren Problemen vorgebeugt werde...

Quelle: http://morgenmagazin.zdf.de/ZDFde/inhalt/21/0,1872,7545909,00.html mit weiteren Nachweisen.

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/content/722554?inPopup=true (Video zum Thema)

Anmerkung:
Wie so oft scheint wieder einmal der "Goldene Weg der Mitte" des Problems Lösung zu sein. Ich vertrete eine vermittelnde Ansicht und gehe davon aus, dass nicht pauschal eine der genannten Grundlagen-Auffassungen die richtige ist, sondern richte mich, die Erkenntnisse beider grundlegender Meinungen zur Rückenschonung beachtend, nach dem jeweiligen Belastungsgrad für den Rücken. Das bedeutet, um die Rückenmuskulatur nicht zu sehr zu schwächen und den Rücken beweglich zu halten, kann es durchaus angeraten sein, kleinere bis mittlere Lasten mit abgerundetem Rücken und geraden Beinen, also aus dem, bzw. mit Kraft des Rückens selbst zu heben. Denn nur Muskeln, die angemessen beansprucht werden, bleiben auch leistungsfähig. Bei höheren Belastungen sollte jedoch zu der Technik des Hebens aus der Hocke, also mit Kraft der Beine und geradem Rücken, gewechselt werden. Bei welcher Last genau das getan werden sollte ist einzelfall- und von der Konstitution des/der Hebenden abhängig...

Begründung: Es ist mit der aktuellen Untersuchung grundsätzlich richtig anzunehmen, durch die Entlastung des Rückens beim Heben mit Kraft der Beine entsprechend der herrschenden Meinung könne dieser auf längere Sicht geschwächt werden, gerade weil dabei die Hubkraft aus den Beinen und kaum oder gar nicht aus dem Rücken stammt und die Rükenmuskulatur dabei zu wenig beansprucht wird. Doch scheint diese "neue" Auffassung zu verkennen, dass beim Heben großer Lasten, gerade durch den nach der Meinung ihrer Vertreter besser gebogenen Rücken, die Bandscheiben im Moment größter Beanspruchung nur ungleichmäßig belastet werden, sogar eine extrem einseitige Belastung stattfinden kann, die meiner Ansicht nach durchaus geeignet erscheint, einen Vorfall begünstigen oder sogar auslösen zu können. Genau das ist bei der Ausführung des Hebens nach der bisher herrschenden Meinung nicht der Fall. Dabei werden die Bandscheiben durch die aufrechte Positionierung des Rückens im Moment größter Anstrengung nahezu gleichmäßig und daher weniger schadensgeneigt belastet.

Die vermittelnde Ansicht scheint somit insgesamt einer umfassenden Problemlösung am nächsten zu sein, da diese die nützlichen Erkenntnisse beider vorherrschenden Auffassungen verbindet, ohne jedoch deren jeweilige Schwachstellen zu übernehmen.

Wie in anderen Bereichen der Gesundheitsförderung gilt auch hier, wer sich zu wenig bewegt neigt eher zu Schmerzen als derjenige, der sich ausreichend gesundheitsschonende Bewegung, etwa durch Yoga, verschafft...
Selbst bei Schmerzen sollte, solange das noch erträglich ist, auf sanfte, gesundheitsschonende Bewegung nicht verzichtet werden... Unter fachkundiger Anleitung ausgeführt kann das u.a. Linderung verschaffen und einen eventuell notwendigen Heilungsprozess fördern.


Allen ein gesundes Leben
Detlef (Santoshananda)

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Antworten auf diese Diskussion im Yoga Forum

Lieber Detlev (Santoshananda)

eine gute Idee, diese Diskussion auch hier vorzustellen. Mal sehen, welche Auswirkungen die Untersuchungen der Göttinger Schmerzklinik in der Zukunft haben werden.
Ich unterrichte schon seit einiger Zeit Rückenyoga bei Yoga Vidya. Viele Personen, die zu dem Unterricht kommen leiden offensichtlich auch an Bewegungsmangel. Bewegungsmangel in Kombination mit Stress sind ja oft Ursachen für Rückenprobleme. So gesehen ist es sicher richtig zu sagen, dass es nicht dass Ziel sein kann, jede Belastung für den Rücken grundsätzlich zu vermeiden.
Manche Übungen aus dem Rückenyoga können ja durchaus auch fordern bzw. anstrengend sein.

Was ich aber bisher noch nicht so ganz nachvollziehen kann ist, warum man nun den Rücken wieder in einer Weise belasten soll, die dann wiederum zu einer Überlastung führen kann. Also was mich angeht, werde ich auch in Zukunft keine Kisten mit runden Rücken tragen und mich auch bei Umzügen mit dem Schleppen von schweren Gegenständen zurüchhalten.

Om Shanti und viele Grüße

Heinz
Lieber Heinz,
vielen Dank für Deinen Beitrag.

Genau aus dem Grund, welchen Du mit Deinen Worten "noch nicht so ganz nachvollziehen kannst" habe ich ja einen "vermittelnden" Weg zu gehen vorgeschlagen, der die Nachteile der beiden vorherrschenden Gundansichten zu vermeiden sucht. In Göttingen scheint man der Auffassung zu sein, dass bei längerfristiger Durchführung der Hebetechnik mit "geradem" Rücken, dieser aufgrund zu geringer Beanspruchung der Rückenmuskulatur so sehr entlastet wird, dass er schwächer und daher anfälliger wird. Insoweit scheint der Ansatz nachvollziehbar, den Rücken, bzw. dessen Muskeln wieder mehr in die Belastung einzubinden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man dabei bewusst die auftretenden starken, und daher schadensgeneigten, Belastungen beim Heben schwerer Lasten (siehe meinen Eingangsbeitrag) einfach so in Kauf nimmt. Möglicherweise geht man davon aus, dass der Rücken durch eine langsame "Heranführung"an größere Belastungen nach der "Rundrückenmethode" allgemein gekräftigt und so auch bei vermehrter Beanspruchung nicht mehr so anfällig ist, auch wenn der Wortlaut der Darstellung des Videos das so nicht hergibt. In Anlehnung an Deinen Abschlusssatz möchte ich der Klarheit halber noch hinzufügen, dass nicht gemeint ist, Lasten mit abgerundetem Rücken über längere Strecken zu tragen, sondern im Wesentlichen das Anheben derselben im Zentrum der Betrachtung stand und steht. Ich vermute Du hast das auch so gemeint.

Ich es ähnlich wie Du und werde trotz einigermaßen trainierten Rückens auf ungleichmäßige oder übermäßige Belastungen so weit möglich verzichten und grundsätzlich nach der Methode des 'Weges der goldenen Mitte', s.o., verfahren.

Viele Grüße
Allen ein gesundes Leben
Om shantih
Detlef

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