mein.yoga-vidya.de - Yoga Forum und Community

Das Yoga Forum für Ayurveda, Yoga, Meditation und Spirituelles Leben

Hallo! Seit einigen Wochen habe ich einen leichten Tinnitus und möchte gleich volle Fahrt dagegen arbeiten! Laut Arzt sind oft Nackenverspannungen die Ursache. Kann es sein dass mein Nacken noch nicht "reif" für den Kopfstand ist?! Ich muss ziemlich lange danach in der Stellung des Kindes verweilen, bis der Druck im Nacken-Schulter-Bereich sich löst. Oder ist der Kopfstand im allgemeinen nicht geeignet bei Ohrgeräuschen?

Liebe Grüße
Mel

DIESER BEITRAG WURDE BISLANG: 3031 X ANGESCHAUT

Antworten auf diese Diskussion im Yoga Forum

OM OM Mel,

Tinnitus ist nicht einfach zu diagnostizieren. Es gibt einfach sehr viele Auslöser dafür. In der Schulmedizin wird vor allem der Versorgungsaspekt gesehen. Das Innenohr muss die notwendigen Nährstoffe erhalten, um seine Funktion ausführen zu können. Bei mangelnder Versorgung erhalten die Sinneszellen mutmaßlich zu wenig Nährstoffe und damit sind sie auch schlechter in der Lage, di ihr zugeteilte Aufgabe zu erfüllen. Diskutiert wird auch, dass eine langfristig schlechte Versorgungslage der Sinneszellen diese "untergehen" lässt. Alles, was diese Versorgung beeinflusst, kommt also auf die "Verdachtsliste". Einmal die Ernährung an sich, dann die Transferfunktion der Nahrung über die Darmschleimhaut in den Körper, dann die Umwandlung in der Leber und schließlich auch der Transport auf dem Blutweg zum Ohr und zu den Sinneszellen. Dein Arzt hat bei dir durch die Aussage, dass der Nacken verpannt ist, also den Blutweg im Verdacht. Eine verspannte Nackenmuskulatur kann auch den Blutfluß, der zum Kopf führt, beeinflussen. Übrigens auch verspannte Kiefermuskulatur.
Auffällig ist, dass in den letzten Jahren das Auftreten von Tinnitus sehr zugenommen hat. Inbesondere bei Menschen mit Burn-Out-Syndrom, starker Erschöpfung, langwierigen schweren Erkrankungen, lange bestehendem Stress und ähnlichen Mustern, bei denen eine grundsätzliche Überarbeitung des Organismus über Jahre hinweg erkennbar ist.
Diskutiert wird daher auch ein energetischer Hintergrund des Tinnitus. Das jetzt zu erklären, würde Seiten verschlingen. Nur soviel, bei starker über Jahre andauernder Überarbeitung (gleich welcher Genese) wird die Grundenergie des Körpers stark geschwächt. Diese ist dann aus dem Gleichgewicht und daraus kann eine Fehlversorgung nicht nur der Ohren, sondern des ganzen Kopfes und auch des Körpers an sich resultieren. Letztendlich klärt das Anamnesegespräch und auch unterschiedliche Untersuchungen welche Ursache letztendlich für den Tinnitus verantwortlich ist.

Nun zum Kopfstand:
Solltest du bereits den Kopfstand aus der Vor-Tinnitus-Zeit beherrschen, dann kannst du ihn natürlich weiter praktizieren, aber ich würde die Verweildauer sehr kürzen. Solltest du ihn noch nicht beherrschen, dann ist es besser darauf zunächst zu verzichten, insbesondere, weil du schreibst, dass du längere Zeit in der Stellung des Kindes bleiben musst, um die Nackenverspannung, die bei dir beim Kopfstand stärker wird aufzulösen. Das deutet daraufhin, dass erstens deine Muskulatur nicht kräftig genug ist für den Kopfstand und zweitens, dass du die Technik für den Kopfstand vielleicht nicht korrekt umsetzt. Besser wäre daher sowas wie Viparita Karani, wenn es denn schon Umkehrstellungen sein sollen.

Das wichtigste:
..."möchte gleich volle Fahrt dagegen arbeiten"
Das wird deinem Körper gar nicht gefallen, denn Tinnitus kann verstanden werden als Signal deines Körpers an dich. Im Sinne wie: "Hör mal, Mel. Das ist mir ein bißchen viel, ich benötige Regeneration und Ruhe." Und du hörst ja, oder ? :-)
Wenn du nun volle Fahrt dagegen hälst, dann erntest du vielleicht nicht das, was du möchtest. Volle Fahrt dagegen halten kann in deinem Sinne nur bedeuten dem Körper mehr Ruhe zu geben und sich optimal zu ernähren. Im Sinne von Yoga wäre das also sanfte Praxis, lang gehaltene Asanas (entspannt gehalten), sanftes Pranayama (insbesondere Wechselatmung) mit nicht zu langem Atem anhalten, sattwige Ernährung (hier gerne volle Fahrt) und langes Shavasana (auch volle Fahrt), gerne auch Meditation (wenn du sowas magst) mit Energieleitenden Bewußtseins-Übungen. Darüber hinaus ist langes Schlafen mit Einschlafen weit vor Mitternacht ebenfalls als volle Fahrt zu verstehen. Ideal wäre, erstmal komplett abzuschalten. Also mal 4 Wochen absolut nichts tun, lange schlafen und nur das machen, was einem Spaß und Freude macht.
Alles verbissene wird dich vermutlich nicht das ernten lassen, was du dir wünscht.

Hoffe, das bringt dich etwas weiter.

Viele Grüße
Hamsa
Eine gaaaanz liebe Antwort. Danke dir erstmal von Herzen. Und das mit dem "volle Fahrt dagegen" war auch in Richtung Yoga gemeint, also möchte ich öfter meditieren und vor allem Pranayama was aber gar nicht so einfach ist, denn genau bei solchen Sachen, werden die Ohrgeräusche lauter, da die Nebengeräusche ja ausgeschaltet sind. Ich bin hier im Forum intensiv am suchen, welche Übungen bei so einem Problem Sinn machen. Aber: Was ist denn Viparita Karani ??
Die Sache mit dem Kopfstand wird wohl so sein. Halten kann ich ihn sowieso noch nicht lange, und oft brauch ich auch noch die stützende Hand des Yogalehrers oder die Wand. Ich denke den Kopfstand werde ich erstmal weglassen. Aber Umkehrstellung an sich ist wohl nicht verkehrt, oder? Das heißt Hund oder Delfin zum Beispiel wird okay sein?!?!
OM Namah Shivaya
Hallo Mel,
irgendwie komme ich um den Verdacht nicht herum, dass du Yoga-Einsteiger bist. Liege ich da richtig? Wenn das so ist, dann rate ich dir die Dienste eines Yogalehrers besser noch eines Yogatherapeuten zu suchen und dir die passenden Übungen mal erklären zu lassen.
Vielleicht kannst du auch ein Wochenende in Bad Meinberg verbringen und dir bei Mahashakti und ihrem Team die Übungen zeigen lassen (es gibt spezielle themenbezogene Angebote in der Yogatherapie dort). Es gibt übrigens Übungsreihen auf den Seiten von Yoga Vidya, aber auch die sind nur geeignet für solche, die bereits wissen, wie die Übungen auszuführen sind. Man kann bei den Übungen leider doch einiges falsch machen und daher ist die Anleitung durch einen Lehrer wichtig. Zumindest solange, bis die Ausführung der Übungen sitzt. Danach kannst du das auch allein machen.
Viparita Karani ist eine sanfte, unterstützte Variante des Schulterstands und ist übrigens auch eine Umkehrstellung. Vor weiterer Aktion mit Hund, Delfin oder Kopfstand solltest du dich erstmal um deine Hals-Nacken-Muskulatur kümmern (es sei denn du kannst in Delfin oder Hund diese entspannen).
Langsames, sanftes Kreisen der Schultern 1 min. nach vorn, dann 1 min. nach hinten, hochziehen der Schultern und fallen lassen, nach vorne ziehen und nach hinten ziehen der Schultern, dann die Halsmuskulatur durch isometrische Halteübungen entwickeln (alles von Yogalehrer zeigen lassen und langsam in der Dauer steigern). Die einfachsten Übungen sind oft sehr wirkungsvoll.
Wenn du schon ausgerechnet eine Kopfüber-Technik bevorzugst (warum eigentlich), dann spricht einiges für den Handstand - der entlastet zumindest die Halswirbelsäule und auch die Nackenmuskulatur. Das ist aber keine Anfänger-Asana!
Rundheraus gesagt sanfte Praxis, in Ruhe und fließend "aus dir selbst heraus" praktiziert wird dir sehr helfen. Aber wie gesagt, diese sanfte Praxis muss dir beigebracht werden. Normale Yoga-Klassen unterrichten sowas in der Regel nicht, abr manche bieten auch "Yoga sanft" an. Das wäre was für dich.
Und wenn bei der ruhigen Praxis die Nebengeräusche geringer sind und dadruch der Tinnitus deutlicher ist, so ist das durchaus von Vorteil, denn so kannst du direkt erkennen, was du für dich richtig und was du falsch machst.

Have a nice weekend with Brahma
Hamsa
Eine eindeutige Antwort für den Fall, das Du noch Tinnitus hast: Kopfstand, Schulterstand und ähnliches sind nicht gut für Dich. Wenn Du diese Stellungen "beherrschen" würdest, d. h. wenn Du sie ohne Anspannug durchführen könntest, wenn Du sie entspannt genießen könntest, hättest Du mit großer Wahrscheinlichkeit keinen Tinnitus.

Zur Auflösung des Mysteriums Tinnitus: In weit über 90 % der Fälle liegt die Ursache im Bereich des Processus Mastoideus und des daran ansetzenden Muskels mit dem langen Namen Sternocleidomastoideus. Der Mastoideus ist die deutlich tastbare Knochenverdickung hinter Deinen beiden Ohrläppchen am äußeren Hinterhauptrand. Der hier ansetzende Muskel heißt auf deutsch Halswender und verläuft ebenfalls bei jedem gut sichtbar seitlich am Hals vorbei bis zum Brustbein. Sein Ansatzbereich ist wie ein Tunnel, unter dem der Trigeminus (Gesichtsnerv) verläuft. Faseranteile vom Trigeminus verlaufen unter anderem auch zum Ohr. Ist nun der Muskel übermäßig angespannt (durch Stress oder was auch immer) und drückt dadurch genau auf diese Faseranteile des Nervs, dann kann es die diversen Geräuche im Ohr verursachen, die man Tinnitus nennt. (Google Dich einfach mal etwas in die Anatomie rein. Sollte eigentlich jeder Yogi, einfach um seinen Körper noch besser zu verstehen.)

!!! Egal wie lange ein Tinnitus schon besteht (vorausgesetzt die oben beschriebene Ursache liegt vor), er ist behandelbar !!! Sind die Muskeln wieder entspannt und die Nervenfasern wieder frei, dann löst sich auch der Tinnitus auf. das Wort Tinnitus kommt vom lateinischen Verb tinnere = klingeln. Er ist eine Alarmglocke, die sagt: etwas ist zu viel, baue Deinen Stress ab, entspanne Dich, tue Dir öfter etwas richtig Gutes. Wenn Du ein gezieltes Übungsprogramm haben möchtest, maile mich an: bhajan-noam@gmx.de. Oder besuche meinen Kurs vom 18. bis 20. Februar 2011 in Bad Meinberg, ein Programm, das vielen erstaunliche Hilfe gebracht hat - vorausgesetzt, sie haben zuhause weitergeübt. Übrigens: Alle Übungen auf meiner website www.bhajan-noam.com (PRANA-YOGA anklicken) sind gut für Dich.

Liebe Grüße, Bhajan

RSS

© 2019   Impressum | Datenschutz | AGB's | Yoga Vidya |   Powered by

Badges  |  Ein Problem melden  |  Nutzungsbedingungen