Besonderheiten bei Yoga mit Missbrauch-Opfern?

ich habe eine anfrage von einer frau , die begleitend zu ihrer psychotherapie yoga-einzelunterricht nehmen möchte. hat jemand von euch erfahrung in der praxis mit missbrauch-opfern? auf was sollte man achten? ich danke euch für jeden tip. om shanti.

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Antworten

  • dank an alle, die sich die zeit genommen haben auf meine frage zu antworten. jede antwort hat mir zu denken gegeben und mich weiter gebracht. vielen , vielen dank. ich hätte nie gedacht, dass ein internet-forum für mich mal hilfreich sein könnte.

    om namah shivayah
  • Liebe Jagadamba, als Ergo-/u Familientherapeutin ausgebildet arbeite ich schwerpunktmäßig seit 3 Jahren mit Mißbrauchsopfern und ihren Angehörigen in HH.Die Trauma der Klienten sind oft sehr multifakturell und die emotionalen Reaktionen der Betroffenen für den Therapeuten/Yogalehrer oft nicht leicht zu verstehen, nachzuempfinden und zu begleiten.Ich finde es sehr gut, daß Du Dir auf diesem Weg Hilfe/Austausch und Unterstützung holst.Mein Rat:Bitte Deine Schülerin um eine Schweigepflichtsentbindung ihrer Psychotherapeutin gegenüber und frage diese, wie sie 1.zu Yoga ihrer Patientin steht und ob Du etwas besonderes beachten sollst.Ich wünsche Dir alles Gute,bei weiteren Fragen, melde Dich gerne auch telefonisch 04131189546 om shanty Gabriele Bianchi
  • Om om om
    om namah Shivaya,
    Liebe Jagadamba,

    Mißbrauch ist ein sehr diffiziles Thema - und leider ein sehr verbreitetes. Hier in Bad Meinberg begegnet mir öfters mal jemand mit diesem Thema. Es ist erschreckend wieviele Frauen davon betroffen sind. Bei den allermeisten mit denen ich bisher zu tun hatte, hat der Mißbrauch in der Kindheit oder Jugend stattgefunden. zT auch im Babyalter.

    Meist kommt das unerwartet beim Aufenthalt hier im Haus hoch - zB während einer Asanastunde oder danach. Was ich dann tue ist ganz einfach: ich gebe dem Thema Raum zum Hochkommen, ohne selbst zu intervenieren. Und ich ermutige die Frauen es herauszulassen, um sich davon zu befreien. Nur Hinschauen führt zur Auflösung, nicht die Unterdrückung.

    Meine Beteiligung beschränkt sich auf wenige Dinge, am wichtigsten ist: da sein und Nestwärme geben. Danach kommt Tee und Taschentücher bereithalten, bei Bedarf (wird manchmal abgewehrt, manchmal gesucht) in den Arm nehmen, Aufpassen das keiner reinkommt und den Prozess stört, aufkommende Sorgen (jetzt verpasse ich diesen Termin .... o.ä.) auflösen, sanfte Mantras singen ... usw. Das hat schon mal 2-3 Stunden gedauert, meist kommen wir mit 30-60 Minuten hin. Danach fühlen sich die Frauen deutlich besser und sind dankbar und froh, das sie ihre Gefühle mal einfach rauslassen konnten. Sie kommen oft wieder, weil sie erlebt haben, das sie auch mit Tränen willkommen sind und weil sie sich jedes Mal ein Stück besser fühlen. Mit der Zeit verblasst das Thema dann allmählich.

    Wenn du weitere Fragen hast, dann melde dich bitte.

    Om Shanti
    Liebe Grüsse
    Mahashakti
  • Liebe Jagadamba,
    Ich schließe mich der Antwort von Shivaram absolut an. Ich selbst habe in Einzelstunden sowie aber auch innerhalb einer Gruppe mit einem Mißbrauchsopfer gearbeitet. Wenn Du etwas mehr dazu wissen möchtest, biete ich Dir gern ein Telefongespräch an. Sprich mir auf unserem AB im Center mit deiner Telefonnummer, wenn Du einen Rückruf wünscht und ich werde Dich umgehend kontaktieren :-)
    Viele Grüße Corinna
    • vielen dank liebe corinna. werde dein angebot gerne annehmen.
  • Om Shanti Jagadamba !

    Direkte Erfahrung im Unterrichten von Mißbrauchsopfern habe ich nicht. Aber im "richtigen Leben" bin ich noch Polizist und habe schon des öfteren mit Mißbrauchsopfern gesprochen, wenn sie bei uns Anzeigen erstattet haben. Der Umgang mit diesen Betroffenen ist nicht einfach, da jeder Mensch seine Erfahrungen anders verabreitet und zeigt. Manche sprechen offen darüber, andere können diese Vorfälle überhaupt nicht direkt ansprechen. Oft sind diese Menschen auch erst nach Jahren bereit, sich zu öffnen und mit anderen über ihre Erlebnisse zu sprechen, je nachdem wann der Mißbrauch stattgefunden hat und wie schwer oder lange der Mißbrauch gedauert hat. Oft sprengen solche Dinge das Vorstellungsvermögen, wenn man damit noch nie konfrontiert wurde.

    Da Yoga natürlich auch das Potential hat, unser Unterbewußtsein zu öffen, kann sich hierbei einiges lösen. Diese Arbeit ist bestimmt sehr spannend, erfordert andererseits aber auch viel Einfühlungsvermögen und Fingerspitzengefühl. Ich würde dir raten, auf jeden Fall zuvor mit dem Therapeuten zu sprechen, wenn dies möglich ist und die "Dame" dies möchte. Außerdem würde ich vor und nach jeder Unterrichtseinheit Zeit für ein kurzes Gespräch einplanen. Da die Wirkungen des Yoga oft erst später einsetzen, z.B. wenn die "Dame" nach dem Unterricht zu Hause zu Ruhe kommt, ist ein Gespräch über das Erlebte beim nächsten Termin sehr wichtig.

    Nimm dir auf jeden Fall Zeit, vor der ersten Stunde mit der "Dame" ein längeres Gespräch zu führen und sie kennen zu lernen. Du wirst schnell merken, ob sich da eine Zusammenarbeit anbietet, oder ob dies eher schwierig werden wird. Denke auch an dich, vielleicht wirst du hier mit Dingen konfrontiert, die für dich nicht einfach sind !

    Ich hoffe, dass ich dir damit etwas helfen konnte.


    Om Namah Shivaya

    Shivaram
    • namasté shivaram,
      vielen dank für deine antwort. sie bestätigt mir meinen ersten eindruck. denn ich hatte bereits ein erstgespräch mit der dame und bin daher wirklich im zweifel, ob ich das "leisten" kann und ob ich damit nicht überfordert sein werde.
      om shanti
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