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Om shanti, liebe Forummitglieder,

ich unterrichte seit fast einem Jahr eine Yogagruppe für Kinder von 10-16 Jahre. Einer der Kinder hat einen schweren Form der Legasthenie und dazu auch ADS (kein Hyperaktivität, eher das Gegenteil).

Da seine Schrift sehr schlecht ist (ist oft der Fall bei Kindern mit Legasthenie) hat seine Mutter mich gefragt, ob ich eine Yogaübung kenne, die ihm dabei helfen kann. Es geht hier, meiner Einsicht nach, also um eine Übung für die Augen-Handkoordination. Da ich keine Yogatherapeut bin, bin ich mir allerdings etwas unsicher. Hat einer von euch da eine Idee?

Liebe Grüsse, Cat

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Hi Cat,
ich bin Integrative Lerntherapeutin und mein Mann (Yogalehrer) hat mich gebeten, deine Fragen zu beantworten. Aus der von dir beschriebenen Kombination von LRS, ADS und schlechter Schrift würde ich Fragen in folgender Reihenfolge stellen:
1. ist das Kind in seiner Lateralität (Hände, Füße) entschieden oder wechselt es noch?
2. schreibt das Kind wirklich mit der "richtigen" präferenten Hand? Es gibt nicht wenige Kinder, die sich ohne jeden äußeren Zwang durch Nachahmung auf die Schreibhand ihrer Eltern oder älteren Geschwister umstellen - mit zum Teil wirklich schweren Folgen.
Bei 1. würde ich alle Gleichgewichts- und Harmonisieungsübungen für geeignet halten. Bei 2. favorisiere ich eine gut begleitete Umstellung auf die präferente Schreibhand. Das setzt aber voraus, dass das Kind das wirklich will und die entsprechende Psychologin, Elternhaus und Schule kooperieren. Wenn du dazu Kontakte brauchst, kann ich dir die gern herstellen - jenachdem, in welcher Stadt du bist.

In der Kombination ADS + LRS ist "normalerweise" die ADS das Primäre und die LRS die Komorbidiät. Da würde ich folgende Fragen stellen:
1. wie gut kann das Kind sich fokussieren - also die Aufmerksamkeit, mit der man eine Aufgabe startet,
2. wie sieht es mit der Daueraufmerksamkeit aus,
3. wie gut kann das Kind bei Aufgabenwechseln die Aufmerksamkeit halten.
Oft hat das Kind bei einer der drei Formen eine Ressource, die du nutzen kannst, um an den Defiziten zu üben.

Erst wenn du sicher bist, dass die Lateralität stabil und geklärt ist und dir die Arbeit allein an der Aufmerksamkeit nicht reicht, würde ich die LRS "anfassen". Da würde ich an deiner Stelle auch nicht experimentieren. Idealerweise kannst du die LRS-Therapeutin des Kindes kontaktieren und idealerweise hat die sich auch nicht nur auf standardisierte quantitative Testverfahren verlassen, sondern differenziert qualitativ geschaut.
Wenn nicht, könntest du dich vorwärts tasten:
1. hört das Kind gut? Das klingt jetzt bisschen komisch: aber bei vielen Kindern verschwindet/ bessert sich die LRS wie von Geisterhand nach einem Besuch beim HNO-Arzt. Es gibt viele Gründe, warum sich Kinderohren verschließen können...
Wegen der Kombination mit schlechter Schrift würde ich dann Stück für Stück nach den Vorläufer- oder basalen Fertigkeiten schauen:
2. räumlich-zeitliche Orientierung,
3. Raum-Lage-Orientierung
4. mittlere Motorik,
5. Feinmotorik,
6. phonologische Bewußtheit
Ehrlich gesagt sollte dir die LRS-Therapeutin des Kindes die letzten Fragen 1 - 6 gut beantworten können. Und wenn die LRS-Therapie des Kindes nach §35a SGB VIII vom Jugendamt finanziert wird, ist die LRS-Therapeutin zur Kooperation mit dem Umfeld des Kindes noch dazu verpflichtet und bekommt die Kooperation mit dir auch bezahlt.

Du kannst mich jederzeit gern mit deinen Fragen hier im Forum über meinen Mann erreichen! Liebe Grüße Anna

Liebe Anna,

Vielen lieben Dank für deine ausführliche Antwort! Ich habe mich sehr gefreut und es schon mehrmals durchgelesen.

Ich habe mich für nächste Woche mit der Mutter verabredet, um so etwas länger über die Probleme reden zu können. Da werde ich sicherlich alle Fragen stellen, die du geschrieben hast. Ich weiss nicht genau, was für eine Therapie der Junge im Moment hat (und schon hatte), aber es waren sicherlich schon einige...

Was mir vor allem bei dem Jungen auffällt, ist dass er sehr viel Schwierigkeiten hat, mit einer neuen Übung anzufangen. Er fängt immer gut motiviert an mit dem Anfangsspiel und den Sonnengrüssen, aber danach ist auch Schluss mit seiner Aufmerksamkeit. Dann hat er immer wieder eine Ausrede (Rückenschmerzen, zu wenig Schlaf, usw) und möchte sich dann lieber den Rest der Stunde hinlegen zum Entspannen...

Auch hat er grosse Schwierigkeiten bei den Balance-Übungen: er tut dann immer, als ob er extra hinfällt (spielt dann der Clown), aber da er sich immer eine Matte direkt an der Wand aussucht, habe ich den Eindruck, dass er in dem Bereich eher überfordert ist.

Übrigens ist es ein ganz lieber Junge, den ich gerne in der Gruppe habe. Es wäre schön, wenn er seine Schwierigkeiten irgendwie im Griff bekommt. Wenn ich seine Therapie dabei irgendwie etwas unterstützen kann, würde ich mich freuen, auch wenn meine Yogastunde natürlich keine Therapiestunde ist.

Ich werde also mit der Mutter reden und bedanke mich nochmals ganz herzlich für deine Antwort. Ich vermute, dass ich dich sicher nochmals kontaktieren werde. Vielen Dank für dieses Angebot!

Liebe Grüsse,
Cat

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