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Hallo liebe Yoga Vidya Community
Mein Name ist Simon und dies ist mein erster Beitrag.
Ich habe mich hier angemeldet, da ich in den letzten Wochen extreme Erfahrungen gemacht habe.
Ich bin aus einem banalen und nicht spirituellen Grund an Meditatiion gekommen. Ich habe seit zwei Jahren Probleme mit den Handgelenken, die mich aber nicht sehr belasten. Nichts desto trotz dachte ich mir, versuchs doch mal mit Meditation wenn schon nichts anderes hilft.
Das war vor einem halben Jahr. Ich habe schnell gemerkt, dass das entspannende Gefühl während der Meditation genau das richtige für mich ist und meditiere bis heute täglich.

Ich weiss nicht wann es anfing, aber ich habe immer wieder Dinge gesehen die mein ganzes Leben umgekrempelt haben. Ich habe zutiefst vernommen wie alles zusammhängt, inzwischen jeden tag ektatische Zustände die mit schnellen Atmen und absolutem Zulassen dessen was existiert einhergehen.
Habe die Liebe gespürt von meiner Familie und allen Freunden und erlebt, dass man nicht getrennt ist. Sehe die Welt mit neuen Augen und muss über alles staunen. In gewissen Momenten sehe ich die Welt völlig fremd. Als wenn ich sie noch nie gesehen hätte, als wär ich ein Alien.
Ich habe Gott immer verneint bis ich vor ein paar Wochen in der Meditaion nur noch Weiss gesehen habe. Und dann zwei geöffnete Hände (und auch wenn es albern klingt) einen Bart ohne Gesicht. Und ich habe verstanden, dass das alles schon in mir war und ich offenbar schon immer an etwas geglaubt habe auch wenn ich es früher nicht wollte.
Ebenfalls kommen in kürzester Zeit immer wieder unverarbeitete Dinge hoch. So vor kurzem zB. die Trauer um meine gestorbene Großmutter, obwohl diese schon letztes Jahr im Sommer von uns ging.
Das ist auch alles kein Problen, ich bin sehr glücklich, dass das alles kommt.

Da ist nur eine Sache mit der ich nicht umzugehen weiss.
Ich war mit meiner Freundin bei guten Freunden zu besuch. Ich war wieder hellwach und glücklich.
Habe mir vorher den ganzen Tag darüber gedanken gemacht wieso zB im Buddhismus das Leben Leid sein soll.
Wir haben ein wenig getrunken, die Stimmung war gut. Haben uns aber irgendwann darüber unterhalten was so schief geht auf der Welt und dann kams:
Ich habe aber millionen Gewalttaten und offenbar alles Leid gleichzeitig in einer extrem schnellen kurzen geistigen Sequenz gesehen, das ganze endete mit dem Gesicht einer indischen Frau, die mir nicht mehr aus dem Kopf geht.
Ich muss jedesmal weinen wenn ich daran denke.
Und ich werde die Frage nicht los: wieso soll ich glücklich sein, und darf ich das, wenn grade all das in diesem Moment passiert.

Ich bin wie gesagt sehr unerfahren, was Spritualität angeht. Ich erlebe einfach nur was kommt und kenne dafür auch keine Begriffe. Als mein ganzes Glück und meine Energie zu vorschein kam war das auch noch kein Problem.
Aber ich trauere immer öfters um all die, die leiden. Und verstehe nich warum andere Menschen sie leiden lassen.
Was soll ich tun? Ich weiss nicht mehr ob glücklich sein okay ist, da bleibt immer ein schlechtes Gewissen.

Ich danke für Antworten

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Glück und Unglück hängen zusammen (ein Zitat von Osho)
 
„Mein Bemühen hier ist, Glückseligkeit zu schaffen, nicht Glück. Glück ist wertlos, denn Glück und Unglück hängen zusammen. Glückseligkeit ist jenseits davon: man geht über die Dualität von Glück und Unglück hinaus. Man beobachtet beides, man ist glücklich – man beobachtet es und identifiziert sich nicht damit. Man sagt nicht: ‚Ich bin glücklich. Frieden, es ist herrlich.‘ Man beobachtet es einfach, man sagt: ‚Ja, eine weiße Wolke zieht vorbei.‘
 
Und dann kommt Unglück, und auch jetzt wird man nicht unglücklich. Man sagt: ‚Eine schwarze Wolke zieht vorbei. Ich bin der Zeuge, der Beobachter.‘
 
Darum geht es in Meditation, es geht darum, ein Zeuge zu werden. Du scheiterst, du bist erfolgreich, du wirst gelobt, du wirst getadelt, du wirst respektiert, du wirst beleidigt, du siehst das Licht in der Welt und das Dunkel, das Elend – alles Mögliche kommt vorbei, und alles ist Dualität. Und du bleibst Beobachter. Du beobachtest die Dualität, und eine dritte Kraft steigt in dir auf, eine dritte Kraft steigt in dir auf. Dualität hat zwei Dimensionen: die eine Dimension ist Glück, die andere ist Unglück. Wenn du beide beobachtest, bekommst du Tiefe: die dritte Dimension, Zeuge sein, sakshin.
 
Und diese dritte Dimension bringt Glückseligkeit. Glückseligkeit hat kein Gegenteil. Sie ist klar, ruhig, kühl. Sie ist Ekstase ohne Erregung.“

****

Lieber Simon, diese Welt ist kein idealer Ort, das ist Dir gerade bewusst geworden. Und das passt nicht so ganz mit den Idealen zusammen, die einem erzählt werden oder in Filmen gezeigt werden. Diese Welt ist ein großer Sandkasten, in einer Ecke sitzen welche zusammen und spielen ganz friedlich, in einer anderen Ecke prügeln sie sich. Krieg und Frieden, das alles dürfen wir spielen, um zu lernen, Mensch zu werden. Du darfst glücklich sein, auch wenn andere unglücklich sind. Du darfst den Unglücklichen aber helfen. Doch wie willst Du ihnen helfen, wenn Du selbst unglücklich bist. Indem der Buddha sagt, dass diese Welt Leiden ist, meint er nicht, dass sie Leiden bleiben muss, er erklärt nur den Istzustand. Du musst Dich zunächst um Deine eigene Glückseligkeit kümmern, dann kannst Du vielleicht auch nach außen etwas bewirken. Es ist aber etwas, was letztlich von alleine geschieht. Glücklichsein, Freude, Lachen wirkt ansteckend. Genau wie Traurigkeit, Elend und Jammern ansteckend wirken. Kümmere Dich um ersteres und infiziere die Welt damit. Lasse Dich nicht vom Elend infizieren. Liebe Grüße, OM Shanti, Bhajan ***
 
Vielleicht findes Du hier noch mehr Antworten:
Seiten des Lebens: www.bhajan-noam.com
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Hallo Simon.
Danke für Deine Offenheit.

Und mein Glückwunsch, das dieser Prozess des Erwachens bei Dir so schnell vorangeht.
In den yogischen Schriften gibt es einige Hinweise, die solch einen Ablauf beschreiben. Was Du also gerade erlebst ist also völlig i.O.

Ja, irgendwann wird einem das Leiden in der Welt bewusst. Der Buddhismus sagt, das das ganze Leben leiden ist und wir nicht wirklich glücklich sein können, solange auch nur ein Wesen hier leidet. Ich sehe es etwas differenzierter und optimistischer.

Deine Wahrnehmung wird immer feiner und hier geht es um die Frage, wie kannst Du gut damit umgehen, so dass es Dir damit gut geht. Denn nur dann kannst Du anderen auch helfen und das Thema kommt irgendwann auf Dich zu ;)

Swami Vishnudevananda sagte: „Nicht beachten, weiter praktizieren – das geht vorüber“. Ich würde ergänzen: Du lernst mit den Dingen umzugehen.

Hier kommt der Vorteil vom integralen Yoga zum Tragen. Swami Shivananda sagte: Es macht für die meisten Menschen keinen Sinn nur zu meditieren. Es sei viel besser mehrere Praktiken gleichzeitig anzuwenden, damit alles in der Balance bleibt.

Ich würde Dir sehr empfehlen das rezitieren/ singen von Mantras hinzunehmen. Das verstärkt die Verbindung zum Göttlichen und das hilft Dir mit solchen und anderen Situationen besser umgehen zu können. Es ist sehr hilfreich eine größere Macht als Helfer einzubinden. Mit wachsendem Vertrauen wird es immer besser.

Kleine Geschichte: zu Swami Shivanada kam ein Minister und klagte 2 Stunden lang über all seine Probleme, die er nicht im Land lösen konnte. Danach fragte er den Swami: „Was kann ich tun?“ und Swami sagte: „Wiederhole den Namen Gottes“. Und der Swami wusste sehr genau wovon er sprach ;)

Welches Mantra Dir hier am besten hilft kann ich aus der Ferne nicht sagen. Hier findest Du mehr Hintergrundinfos dazu: http://wiki.yoga-vidya.de/Mantras

Ich empfehle Dir, suche Dir eines aus, sprich es 4 Wochen täglich 108 mal und wenn es Dir gut tut, weiter verwenden, wenn es nicht gut tut, ein anderes verwenden.

Du kannst auch ein dazu ein Seminar besuchen um es zu vertiefen.
Habe hier einige Beispiele: https://www.yoga-vidya.de/seminare/stichwortsuche/dfu/0/dtu/0/ex/0/...

Schreibe mal bitte, ob Dir diese Infos geholfen haben.

Also nochmals: Den Prozess den Du gerade durchlebst ist verdammt gut und wichtig und es wird eine Zeit kommen, da wirst Du es wissen und die Glückseligkeit wird Dich erfüllen ! :)

Liebe Grüße
Nanda

Vielen Dank für die ausführlichen Antworten.
Beobachten, vorbei ziehen lassen. Ja das entspricht den Prinzipien von Meditation und wird das richtige sein.
Keinen Zweifel haben im Sinne von: es geht nicht vorbei, nicht wahr?
Das mit dem Glück nach außen tragen, damit in der Welt mehr Glück existiert. So dachte ich auch schon, musste es wohl noch von jemanden mit mehr Erfahrung hören.
Ich werde mich ein wenig mit Mantras auseinander setzen, scheint ja doch etwas komplexer zu sein.
Wieso ausgerechnet 108 mal?
Ja das Ganze fing ganz unerwartet und ohne dass ich es mir je als Ziel gesetzt habe an. Also das was man offenbar als Erwachen bezeichnet.
Und es geht auch alles sehr schnell. Teilweise ist das sehr verwirrend, da irgendein Teil von mir zum alten Leben zurück will, was aber offensichtlich nicht funktioniert.
Ich schätze ihr habt das ganze schon hinter euch? Hätte nie gedacht, das es sowas überhaupt gibt.

Hallo Simon,
ich kann gut mit dir mitfühlen. Mir ging es ähnlich, ich bin auch mit Anfang 20 in diesen Prozess reingerutscht, als ich eigentlich "einfach nur" meditieren wollte. Ganz schön naiv. Ja, wie du sagst, es gibt irgendwann kein Zurück mehr. Wenn ich aus heutiger Sicht vorsichtig irgendwelche Empfehlungen geben darf, kannst du dir vielleicht die Frage stellen, ob du wirklich bereits bist, dich auf diesen abenteuerlichen Prozess einzulassen. Wichtig scheint mir auch die richtige Selbstabstimmung zu sein. Wenn du spürst, dass da so viel passiert, dass du nicht hinterherkommst, kannst du versuchen, langsamer zu machen und erst mal beobachten, wie sich die Meditation im Alltag auswirkt. Niemand verlangt, dass du schlagartig dein altes Leben verlassen sollst. Gerade diese Abgrunderfahrungen scheinen mir besonders dann aufzutreten, wenn zuvor viel Licht (in der Meditation) gewesen ist. Es ist nicht leicht, den Zustand des Zeugen im Alltag immer herzustellen, wenn man diese intensive Erfahrung macht, dass plötzlich alles um einen herum lebendig wird, Glück und Unglück so viel intensiver erlebt werden als bisher.
Was mich etwas stutzig macht, ist der Satz: "Wir haben ein wenig getrunken,...". Meinst du damit Alkohol? Wenn du regelmäßig meditierst, solltest du keinen Alkohol trinken; wenn du dann von negativen Erfahrungen überrollt wirst, ist das kein Wunder, es ist ein Reinigungsprozess, durch den du hindurchgehst, denn eigentlich ist es dein eigenes Leid, das du wahrnimmst, nur außen gespiegelt.
Als Ausgleich zu den intensiven inneren Prozessen kann Bewegung wichtig sein, entweder Hatha Yoga, oder wenn dir das nicht liegt, Spaziergänge oder Fahrradfahren in der Natur oder etwas Ähnliches. Überhaupt: Das Alltagsleben nicht aus den Augen verlieren. Essen kochen, Wäsche waschen, Putzen,... Etwas Handwerkliches,... Steine klopfen,...
Wünsche dir weiter gute Erfahrungen und einen gesunden Ausgleich!

Ja, lieber Simon, seit langer Zeit hab ich nicht in Yoga Vidya reingeschaut, aber heute, da wollte ich nirgendwo hin, nur im Bett sitzen und Internet- Kontakte pflegen.
Und da hab ich dein Anliegen jetzt mitbekommen.

Ich bin durch ähnliche Erfahrungen gegangen. Es stimmt, dass man seine eigenen Belange aufarbeitet, aber die hängen durchaus mit dem realen Leiden in der Welt draußen zusammen. Wie du es schon erfahren hast, sind wir nicht so getrennt vom Rest der Welt, wie das verblendete Bewusstsein unserer Zeitgenossen es suggeriert.

Ich hatte Visionen von Folter und homosexueller Vergewaltigung meines kleinen Bruders, und weinte und wütete dann eine ganze Nacht und wollte den "Teufel", der anderen sowas antat, vernichten. Am Morgen war er zwar ganz klein geworden, wie ein weißes Würmchen, aber es gab ihn immer noch. Irgendwie verstand ich schon, dass es um all meine kleinen Brüder und Schwestern ging, die in der Welt misshandelt wurden, und um ein teuflisches Prinzip in der Welt.

Dann wurde mir gesagt: " Du kannst ihn nicht vernichten, du musst ihm verzeihen und ihn ändern. Und du hast ja auch noch kein Schwert bekommen. " Verzeihen fiel mir sehr schwer, als müsste ich eine schwere Last einen Berg hinauf schleppen und würde beinahe ersticken. Was das Schwert bedeutete, war mir erst weitgehend unklar und es bekam mit der Zeit verschiedene Bedeutungen. Der "Heilige Geist" wird auch als "Schwert" bezeichnet.

Ich war dann auch verwirrt, wie du, verstand nicht, was das alles sollte, und wie es weitergehen könnte.

Am nächsten Abend fühlte ich mich sehr verzweifelt und rief in die geistige Welt um Hilfe. Und dann bekam ich eine Antwort in Form einer Vision. Nun sind das dann meine Bilder und du wirst andere haben, die will ich dir nicht vorwegnehmen.

Jedenfalls kam die Liebe und das Licht, weil ich bereit war, das Leiden wahrzunehmen und daran etwas zu ändern. Ich befreite die Leidenden durch meine Zuwendung. Und dadurch wurde ich auch befreit.

Allerdings war das Licht nur teilweise gut, und teilweise falsch, übertrieben, irreführend, von drängenden Geistern ... Ich musste unterscheiden und nur das Wahre behalten. Das war gemäßigt und nicht extrem.

Gerne kannst du mir weiter mitteilen, was dich bewegt. Lass dir vor allem keine Angst machen, hüte dich vor ungesunden Selbstzweifeln, denn es bietet sich auch ein Weg in die Geisteskrankheit an, aber da du bei dieser Yoga Vidya Gemeinschaft Rat suchst, bist du schon auf dem guten Weg und hast viel Schutz.

Glaube an das Gute in dir selbst und an die Machbarkeit des Guten in der Welt. Sehr großes Glück kann man aber in dieser Welt nicht erwarten, es wäre pervers, angesichts all des Leidens. Aber das Glück, wenn du deinen Teil tust, um Leiden zu verringern, wirst du in deinem möglichen Maße haben. Der Rest kommt in fernen Zeiten, und daran glauben gibt auch Kraft! Was du willst, ist wichtig!

Vielen vielen Dank für die ausführlichen Antworten!
Ja Alkohol war im Spiel. Nach dieser Erfahrung ist das Interresse daran sehr gesunken. Ich kann mit Sicherheit behaupten, dass ich in Zukunft darauf verzichte. Und ich werde auf dieseb abenteuerlicheb Weg bleiben, es gibt meinem Leben eine Tiefe, die mir immer gefehlt hat.

Man soll all denen, die in dieser Welt Leid zufügen, verstehen und verzeihen? Bis ich das volkommen verstanden habe und bis ich das akzeptieren kann wird es wohl noch sehr lange dauern. Also in der Theorie vesteh ichs ja, Leid erzeugt Leid. Und jemand der Leid zufügt hat zuvor Leid erlitten. Darüber muss ich noch länger nachdenken.

Viel wichtiger: Wie kann ich anderen helfen? Irgendwie?
Ich arbeite in der Behinderten-Hilfe, erhalte dafür aber Geld. Trorzdem mach ich es auch gerne. Ist das schon mit helfen gemeint? Oder ist Zuhören gemeint? Und muss ich wirklich volkommen Glückseelig sein bevor ich helfen kann? Versteh das ganze nicht.

Ich bin nun 25 und hatte schon in meiner Pubertät sehr viel mit Weltschmerz zu tun. Von heute aus betrachtet hatte ich eine sehr nihilistische Grundhaltung. Es gab für mich in dieser Welt einfach keinen Gott und trotzdem habe ich überall gesucht.
Nach Beendigung der Schule und dem kennenlernen meiner jetztigen Freundin gings mir natürluch viel besser.
Wie gesagt habe auch vor kurzem Gott gefunden was wirklich unbeschreiblich gut ist.
Trotzdem, oder gerade deswegen, kommt der Weltschmerz auch wieder.
Ich bin für jede Antwort und Inspiration dankbar.
Tatsächlich habt ihr mir schon sehr geholfen.

Du befreist die Leidenden durch deine Zuwendung. Diese Zuwedung, findet diese in der Meditation statt? Im Sinne von Mettameditation? Gibt es vielleicht ein paar Buchempfehlungen um etwas tiefer in diesen sprirituellen Komplex einzutauchen? Von dem Angebot ist man doch sehr übermannt, und zu sagen was seriös ist fällt schwer.

Das Leiden wirst du nicht aus der Welt schaffen können, das ist nicht einmal spirituellen Meistern und Heiligen gelungen...

Eigentlich ist es unser Ego, das meint, es müsste unbedingt etwas in dieser Welt bewerkstelligen und sich gut fühlen bei dem, was man tut. Mir geht es besser, seit ich mir bewusst mache, dass ich nur Werkzeug Gottes bin und nur ganz bescheiden meine täglichen Aufgaben erfüllen kann, nicht mehr und nicht weniger. Nicht an den Früchten des Handelns anhaften, wie es die Bhagavad Gita z.B. lehrt. Nicht MEIN Wille, sondern DEIN Wille geschehe...
Wenn du das Geld, das du in der Behinderteneinrichtung verdienst, zum Leben brauchst, ist dagegen absolut nichts einzuwenden, dann ist das dein kleiner Beitrag zum großen Ganzen. (Es sei denn du würdest nur des Geldes wegen dort arbeiten.)

Vielleicht hilft es dir ja auch, dich einer spirituellen Gemeinschaft anzuschließen oder dir einen spirituellen Lehrer zu suchen? In der Gemeinschaft lässt sich vieles leichter aushalten und manche Fragen lösen sich von ganz alleine.

Lieber Simon,
Du hast ja schon Vieles und Gutes gehört unterdessen.
Ich will noch etwas dazu tun, was - vielleicht - noch nicht gesagt wurde.
Meine Auffassung ist die, dass wir alle hier sind, um zu lernen. Letztendlich sind wir hier, dass uns das Herz aufgeht, die Liebe sich ausbreiten kann, in uns und von uns ausgehend in die ganze Welt hinein.
Wir sind die Träger dieser Liebe, gemeinsam mit vielen vielen anderen auch. Wir sind eine Kraft. Die Liebe ist eine Kraft, eine gewaltige, die durch uns lebt. Gemeinsam mit vielen Wesen, die hier auf dieser Erde leben.
Wodurch entsteht die Liebe, wie wird sie in uns gepflanzt und verfestigt? Ich glaube, durch die Liebe, die uns geschenkt wird, sei es von den Eltern und anderen liebevollen Menschen, aber auch von der Schönheit der Natur, ein Sonnenuntergang, ein Vogel, der singt und und und.....
Auf der anderen Seite dann gibt es das Leid! Ich würde sagen, das ist durch die Kraft des Bösen in der Welt, was sicherlich auch seinen Sinn hat. (Ich glaube, es gibt nichts ohne Sinn, auch wenn wir ihn nicht verstehen.) Das Böse ist der Hass, der Neid, die Gier, die Angst... Das Böse gilt es zu überwinden. Bei uns selbst! Wir kennen alle diese Gefühle, die uns manchmal zu Handlungen hinreißen lässt, oder zu Gedanken.
Das ist unsere Aufgabe: das Böse zu überwinden und die Liebe zu leben. Damit stärken wir die Kraft der Liebe und vermindern die Kraft des Bösen. Nur uns selbst können wir verändern oder beeinflussen.
Und so glaube ich auch, dass wir glücklich sein dürfen, auch wenn andere Menschen und Tiere und Pflanzen und die Erde als ganzes leiden. Wir sollten es sogar versuchen, um die Kraft der Liebe zu stärken. Denn nur dann wird es gelingen, dass weniger Leid ist auf der Erde. Denn denke an das Lächeln, das du anderen schenkst, es geht um die Welt, denn der, den du angelächelt hast, lächelt den nächsten an. Der, dem Du mit Weichheit begegnet bist, kann weich werden. Und so schwingt diese Qualität mehr und mehr in die Welt, wie bei einem Stein, den du ins Wasser wirfst, seine Kreise werden immer weiter.
Deine Tränen und Deine Trauer gehören auch dazu, Du bist ein mitfühlendes Wesen. Ein schlechtes Gewissen hingegen brauchst Du nicht zu haben, denn Du trägst keine Verantwortung für das Leid. Mit Mitleiden hilfst Du nicht. Aber Dein Lachen kann die Welt verändern zum Besseren.
Und noch ein Gedanke, den ich versuche zu denken: das Böse, das Leid, ist vielleicht auch wichtig für uns, um zu erkennen, was die Liebe ist. Durch unser Mitgefühl können wir uns reinigen, indem wir bewusster werden.
Wenn es das Gesetz von Karma gibt, dann ist das Leid wie auch die Krankheit der größte Lehrer für unsere Seelen, die hier sind, um zu wachsen.
Vielleicht kannst du lernen darauf zu vertrauen, dass wirklich alles seinen Sinn hat. Dann kannst Du ruhiger sein (und trotzdem ringen für eine Welt in Frieden und Glück).

Alles Liebe von Bettina

Liebe Bettina,

ich habe meine Zweifel, ob es sinnvoll und hilfreich ist, das "Böse" als externe, eigenständige Kraft zu beschreiben. Das haben die christlichen Kirchen zwei Jahrtausende gemacht und viel Unheil damit bewirkt, weil man das Böse immer in einem Anderen finden konnte. Diese Vorstellung trägt zur Spaltung und Trennung bei.

Ich denke, dass das "Böse" vermiedener (Welt-)Schmerz ist. Die Welt, wie immer schön sie auch sein kann, ist Dhukka, leidvoll, weil wir in der materiellen Existenz alleine schon eine Begrenzung und Trennung liegt. Das ist der erste Schmerz der Existenz, der mit der Geburt beginnt.

Jeder weitere Schmerz, der in der Biographie geschieht, stellt sich als Scheideweg dar: Lass ich mich von ihm verkrümmen, verengen? Führt er zu Abwendung, Verhärtung, Verweigerung, Verdrängung? Dann wird ein Teil ins uns böse, d.h. dunkel, voll Schatten. Dieser Schatten ist nie abzuschütteln. Und da das oft unerträglich ist, wird der Schatten externalisiert: Dort draußen und gegenüber ist der Feind, der Ungläubige, der Schuldige. So entsteht Gewalt. So entstehen Kriege.

Wenn wir aber begreifen, dass Schmerz nur "überwunden" werden kann, wenn wir uns ihm öffnen,wenn wir uns von ihm durchdringen lassen, dann geschieht Heilung, Ausdehnung, Verbindung und Segen. Für uns und für das Leben der Menschen, mit denen wir verbunden sind. Wir sind auf der Welt, um uns das Herz immer wieder und wieder brechen zu lassen. Das Verblüffende ist: Wenn Du das geschehen lässt, dem brechenden Herzen immer wieder mit Liebe und Fürsorge begegnest, dann wächst Du der Heiligkeit entgegen. (Ich kann es nicht anders ausdrücken!).

@Simon: Nimm den Schmerz und die Trauer wie ein kleines Kind an Dein Herz. Die Energien, die in Dir fließen, sind möglicherweise Heilenergien für den gesamten Planeten.

Mir kommt gerade ein Song von Sting in den Sinn: SEND YOUR LOVE

Finding the world in the smallness of a grain of sand
And holding infinities in the palm of your hand
And Heaven's realms in the seedlings of this tiny flower
And eternities in the space of a single hour

Send your love into the future
Send your love into the distant dawn

Inside your mind is a relay station
A mission probe into the unknowing
We send a seed to a distant future
Then we can watch the galaxies growing

This ain't no time for doubting your power
This ain't no time for hiding your care
You're climbing down from an ivory tower
You've got a stake in the world we ought to share

You see the stars are moving so slowly
But still the earth is moving so fast
Can't you see the moon is so lonely
She's still trapped in the pain of the past

This is the time of the worlds colliding
This is the time of kingdoms falling
This is the time of the worlds dividing
Time to heed your call

Send your love into the future
Send your precious love into some distant time
And fix that wounded planet with the love of your healing
Send your love
Send your love

There's no religion but sex and music
There's no religion but sound and dancing
There's no religion but line and color
There's no religion but sacred trance

There's no religion but the endless ocean
There's no religion but the moon and stars
There's no religion but time and motion
There's no religion, just tribal scars

Throw a pebble in and watch the ocean
See the ripples vanish in the distance
It's just the same with all the emotions
It's just the same in every instance

There's no religion but the joys of rhythm
There's no religion but the rites of Spring
There's no religion in the path of hate
No prayer but the one I sing

Send your love into the future
Send your precious love into some distant time
And fix that wounded planet with the love of your healing
Send your love
Send your love

There's no religion but sex and music
There's no religion that's right or winning
There's no religion in the path of hatred
Ain't no prayer but the one I'm singing

Send your love


Liebe Cornelia, danke! Was du schreibst, spricht mir aus dem Herzen! <3 Und ja... wir müssen lernen, uns zu entscheiden! Om Shanti!

Ich bedanke mich nochmal sehr für die ausführlichen Antworten.
Nach weiteren Meditationen und der Inspiration eurer Anregungen habe ich nun viel mehr verstanden.
Den Schmerz zulassen, ohne Furcht aus einer neutralen Beobachterposition ist das einzig funktionierende Prinzip um selbst zu heilen und um zu erkennenen, wie man mit seinen bescheidenen Möglichkeiten Heilung in die Welt tragen kann.
Mein Blick dafür wird von Tag zu Tag klarer.
@Aurelia: Ich denke es ist tatsächlich Zeit einen Lehrer zu finden. Eine Bezugsperson mit der ich auch persönlich über alles sprechen kann. Es geschehen immer wieder Dinge mit denen man nicht leicht zurecht kommt.

Ich möchte euch nocheinmal bitten mir bei folgender Sache Rat zu geben:
Gestern Abend befand ich mich in tiefer Meditation. Irgendwann hab ich etwas schweres in meiner Tür wahrgenommen. Es war sehr anziehend und zuerst wahr ich sehr neugierig und erfreut über diese Erfahrung.
Dann kam der Moment in dem ich mich fragte was das sei. Meine Vorstellungen überschlugen sich von Mein Mitbewohner bis über die klischeehaften Bilder eines Dämons oder eines Engels. Wie in einem Traum hab ich diese Bilder an der Stelle der wahrgenommenen schwere gesehen.
Kurz darauf bewegte sich diese schwere Energie durchs Zimmer und wurde leichter und heller.
Letztendlich hat mir das ganze eine wahnsinnige Angst eingejagt.
Habe ich nur geträumt? Muss ich das ganze ernst nehmen? Und hat jemand ähnliches erlebt?
Vielen Dank
Simon

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