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Ich lese etwas aus dem Buch von Swami Sivananda, „Göttliche Erkenntnis“, aus dem Kapitel „Samadhi“ – irgendwie hat dieses Buch jetzt so einen Automatismus, dass es immer hier aufschlägt. Natürlich, ein Buch, das man mehrmals an der gleichen Stelle öffnet, hat eine große Neigung, sich weiterhin an der Stelle zu öffnen. Auf gewisse Weise trifft das ja auch auf unseren Geist zu: Angenommen, wir erlauben es unserem Geist, mehrmals den gleichen Gedanken zu haben, dann wird das irgendwann eine Neigung, und der Geist hat immer wieder den gleichen Gedanken. Und wenn es ein sehr positiver Gedanke ist, umso besser. Es heißt ja, eine Gewohnheit, die man vier Wochen lang täglich ausgeübt hat, hat eine große Neigung, langfristig mit uns zu sein. Meditation ist etwas sehr Wichtiges, und das Wichtige ist, dass man 4 Wochen lang täglich so meditiert, dass es eine Gewohnheit wird, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass man weitermacht. Ähnlich ist es mit vielen anderen guten Gewohnheiten, ähnlich ist es auch mit weniger guten Gewohnheiten. Es ist sicher eine gute Gewohnheit, über Samadhi zu sprechen, und vielleicht ist das auch ein subtilerer Hinweis: Wir müssen im Yoga aufpassen, dass wir unsere Ideale nicht tiefer hängen, Samadhi ist das Größte, was wir jemals erreichen können. Es gibt nichts Großartigeres, und die Yogis behaupten auch, wir werden uns so lange wieder reinkarnieren, bis wir Samadhi erreicht haben – in diesem Leben, im nächsten Leben, in 100 Leben, in 1000 Leben.

Bewusst oder unbewusst streben wir alle nach Samadhi, nur - manchmal machen wir es sehr ungeschickt. Wie jemand, der in einen Bäckerladen geht und Socken kaufen will, aber er findet keine Socken dort. Dann beschwert er sich furchtbar beim Bäcker, dass es keine Socken dort gibt und jeden Tag geht er wieder hin, um zu schauen, ob es nicht doch endlich die erwarteten Socken gibt, mal morgens, mal mittags, mal abends, immer wieder. Ja nicht den Moment verpassen, wo es Socken gibt! - Klingt verrückt, oder? Aber ähnlich sind wir ja auch. Nur, wir suchen nicht nach Socken, wir streben nach Glück. Und wo suchen wir Glück? In allen möglichen Situationen, wo Glück nicht dauerhaft zu finden ist.

Aber es gibt eine Möglichkeit, das höchste Glück zu erfahren, und das ist Samadhi. Deshalb streben wir, bewusst oder unbewusst, danach. Es heißt, alle Menschen streben danach, glücklich zu sein. Manche machen es geschickter, manche machen es weniger geschickt. Einige erreichen es, und andere erreichen es nicht. Samadhi-Erfahrung ist nicht etwas, was anschließend den Rest des Lebens wertlos macht, sondern im Gegenteil – die Samadhi-Erfahrung macht alles im Leben wertvoll. Swami Vishnu hat mal so gesagt, das ganze Leben besteht aus Nullen, wenn eine Eins davor ist, dann sind die Nullen wertvoll. Samadhi ist die Eins, die alles andere wertvoll macht. Darum strebe nach Samadhi.

Ich will aber noch ein paar Zeilen lesen.
„Die Samadhi-Erfahrung.
Im Samadhi gibt es weder Dunkelheit noch Leere, Samadhi ist reines Licht. Es gibt keinen Klang, keine Berührung, keine Bilder, es ist eine phantastische Erfahrung der Einheit, es ist die Verwirklichung von Einssein, es gibt weder Zeit noch Kausalität, es gibt nur Ewigkeit. Du erfährst Allmacht und Allwissenheit, Du kennst das Geheimnis der Schöpfung, Du erlangst Unsterblichkeit, das höchste Wissen, ewige Wonne. Dualität ist verschwunden, es gibt weder Meditierende noch Meditationsobjekt, weder Dvaita noch Advaita, weder Erfahrende noch Erfahrung, es gibt weder Tag noch Nacht, es gibt nur noch Einheit. Zu dieser Erfahrung kommt es, wenn sich Ichbewusstsein und Geist aufgelöst haben im Unendlichen, es ist ein Zustand, den man durch intensives Bemühen erlangen kann, er ist grenzenlos, ohne Teile, unendlich, eine Erfahrung von reinem Sein, reinem Bewusstsein. Wenn man diese Erfahrung macht, verschwinden Denken, Wünsche und Sorgen in einer Leere. So ist das Individuelle verschwunden, verschmolzen im Unendlichen.“

Hari Om Tat Sat.
Transkription eines Kurzvortrages von Sukadev Bretz im Anschluss an die Meditation im Satsang im Haus Yoga Vidya Bad Meinberg. Mehr Yoga Vorträge als mp3.

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Tags: Indische, Inspiration, Lesung, Schriften, Spiritualität, Sukadev, Vidya, Yoga, tägliche

Kommentar von Eva am 25. Mai 2009 um 8:41am
Diese wunderschöne Sätze bestätigen die Weisheit aus Ostafrika,die habe ich gerade gelesen:

Worte sind der Duft des Herzens.....

Deine Worte bringen das Herz mehr zum Schlagen und zu duften...

Danke , liebe Sukadev, du bist eine großartige Seele....
Eva

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