mein.yoga-vidya.de - Yoga Forum und Community

Das Yoga Forum für Ayurveda, Yoga, Meditation und Spirituelles Leben

Ich wollte meinen Teppich reinigen lassen und stellte mir das einfach vor. In Duvenstedt gibt es einen Teppichladen, der auch Teppiche reinigt. Der Laden war nicht besetzt. Sie kommen per Anruf nach Hause. Und dann stellte sich der Teppichhändler als echter Perser heraus, der mich voll abgezockt hat. Er hat mich mit seinen Tricks völlig überrumpelt. Ich war hilflos und muss jetzt für die Teppichreinigung 1300 Euro zahlen. Er wollte tatsächlich auch mein Haus kaufen. Er dachte wohl, dass er so einem alten Trottel auch das Haus günstig abkaufen kann. Vielleicht im Tausch gegen den gereinigten Teppich.

Er hat es mit vielen Tricks geschafft mich reinzulegen. Er hatte die ganze Trickkiste dabei. Es begann schon damit, dass er Preise nur nach persönlicher Vereinbarung macht und dazu ins Haus kommt. Dann will man ihm natürlich den Teppich gleich mitgeben. Dann stellt er fest, dass man keine Ahnung von Teppichen und den Preisen für die Reinigung hat. Dann erklärt er, was alles mit dem Teppich gemacht werden müsste. Das volle Programm, viermal Waschen, imprägnieren, neu färben, Mottenschutz, ausbessern, wachsen und wer weiß was noch.

Die Frau errechnete dafür auf einem vorgefertigten Formular 2100 Euro. Unter Freunden mache er das aber für 1800 Euro. Da ich selbst dann noch zögerte, erklärte er mir wie wertvoll der Teppich durch die Generalüberholung werden würde. Unter Tränen bot er dafür 1500 Euro an. Das würde ihn zwar arm machen, aber er möchte, dass ich glücklich bin. Dann fand er heraus, dass es ein Erbstück meiner Mutter war und hatte mich für 1300 Euro im Sack.

Mein Kernproblem war, dass ich nicht damit gerechnet hatte, dass ein Duvenstedter Ladenbesitzer wie auf einem Basar handeln wollte. Ich war noch in meditativer Trance und hielt alle Menschen für Gutmenschen. Irgendwie schenkte ich ihm und insbesondere seiner Frau Glauben. Vertraue nie einer Frau. Das habe ich immer noch nicht begriffen. Aber langsam wird es.

Heute war der Teppichhändler wieder da und hat den Teppich zurück gebracht. Und diesmal hat er mich nicht im Zustand der umfassenden Liebe und des Nirwana erwischt. Diesmal traf er auf Nils Pokerface. Ich lies ihn den Teppich ausbreiten und begutachtete ihn gründlich. Er war wirklich gut gereinigt, repariert und roch gut.

Dann bat ich ihn auf die Terasse, ließ ihn sich bequem hinsetzen und überreichte ihm einen Umschlag mit 800 Euro. Ich erklärte ihm, dass ich das für eine ausreichende Bezahlung ansehe. Er rastete aus und schrie, dass wir schriftlich 1300 Euro vereinbart hätten. Er würde den Teppich wieder mitnehmen und wies seine zwei Begleiter an, den Teppich wieder aus dem Haus zu holen.

Ich verbot ihnen aber das Betreten des Hauses. Dann erklärte ich, dass nach dem Preisvergleich im Internet eine Reinigung höchstens 500 Euro hätte kosten dürfen. Das bestritt er verhement und verwies darauf, was er mit dem Teppich alles gemacht hätte. Ich meinte eiskalt, dass er den Teppich schon nach fünf Tagen zurückgebracht hätte. Obwohl er beim Vertragsabschluss behauptet hätte, dass eine gründliche Reinigung mindestens zehn bis elf Tage dauern würde.

Da hatte ich ihn erwischt. Er ging mit dem Preis auf 1100 Euro runter. Ich erklärte ihm, dass ich außer den 800 Euro kein Geld mehr im Haus hätte. Da ging er auf 1000 Euro runter und drohte bei Nichtbezahlung mit seinem Rechtsanwalt. Ich ging ins Haus und holte mein Portemonnaie, wo noch 100 Euro drin waren. Knurrend zog er mit 900 Euro ab.

Aber auf dem Weg zu seinem Auto beruhigte er sich schnell, als ich ihm sagte, dass ich ihn für einen korrekten Typ halte. Da gab er mir 30 Euro zurück, damit ich mir heute noch etwas zu essen kaufen kann und nicht hungern muss. Das fand ich so süß, dass ich ihm alles verziehen habe. Zwar habe ich immer noch etwas zu viel für die Teppichreinigung bezahlt, aber dafür habe ich eine Lektion im Verhalten auf dem persischen Teppichbasar erhalten.

DIESER BEITRAG WURDE BISLANG: 360 X ANGESCHAUT

Kommentar von D.Jahnke am 7. September 2016 um 9:13am

Mache k e i n e n Mund zu Mund Vertrag - Händler sind Händler - Vor-information ist immer wichtig, ein echter Teppich je nach Herkunft & Art.

Kommentar von Radha Shakti am 9. September 2016 um 6:47am
Genialer Schachzug vo dir... we
Kommentar von Nils Horn am 9. September 2016 um 10:28am

Ja, so kam ich einigermaßen gut aus der Geschiche wieder raus.

Kommentar von Bharata Jörg Ziemer am 9. September 2016 um 5:33pm

Hari Om, Nils,

gerade komme ich nach einem Lachyoga-Seminar nach Hause und finde deine Geschichte:

"Da gab er mir 30 Euro zurück, damit ich mir heute noch etwas zu essen kaufen kann und nicht hungern muss. Das fand ich so süß, dass ich ihm alles verziehen habe."

super, ROFL -- bester Abschluß für meine Seminarwoche, Danke.

LG Bharata

Kommentar von jailakshmi am 15. September 2016 um 10:07am

... auch yogis sind vor "dämlichkeit" nicht geschützt ... wie alt bist du, nils ? entschuldige bitte, ich kanns kaum glauben, dass du dich derart eingelassen hast ... ooom - jailakshmi

Kommentar

Sie müssen Mitglied von mein.yoga-vidya.de - Yoga Forum und Community sein, um Kommentare hinzuzufügen!

Mitglied werden mein.yoga-vidya.de - Yoga Forum und Community

Tägliche Inspirationen

Yoga Vidya Blog

© 2017   Impressum | Yoga Vidya   Powered by

Badges  |  Ein Problem melden  |  Nutzungsbedingungen