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Hallo..
ich weiß nicht, ob das hier schon an anderer Stelle besprochen worden ist, aber ich frag hier nochmal...
Ein Teilnehmer an meinem Untericht leidet, nach eigenen angaben unter "depressiven Störungen" ... Es kommt häufiger vor, das er im Unterricht, bei der Tiefenentspannung, aber auch in Asanas anfängt zu weinen... wir haben schon vertrauensvoll darüber gesprochen, aber ich bn mir nicht 100% sicher ob da Yoga nicht auch bei ihm "nach hinten" losgehen kann... Er ist auch sehr an Menditation interessiert, aber auch da weiß ich aus eigener Erfahrung, das das auch kontrainduktiv sein kann....
Ich hab ihm auf jeden Fall geraten, auch mal professionell abklären zu lassen in welche Richtung seine depressiven Verstimmungen gehen... wenns was klinisches ist, müsste er es ja eh erstmal behandeln lassen, oder? Und bei extrogener (tatsächlicher) Depression wäre die "einfache" Richikeshreihe auch nicht angebracht, oder? Was meint ihr? Vielen lieben Dank schonmal,
Om Shanti,
Stefan

Tags: Depression, Yoga

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Antworten auf diese Diskussion

da ich momentan ein schädel-hirn trauma habe und dabei depression / aggression sozusagen auf dem programm steht, habe ich mich am 10.07. zu einem kurs zu diesem thema in bad meinberg angemeldet...dann kann ich dir bestimmt mehr sagen...alles liebe, daya devi
Lieber Stefan,
Der Hinweis auf die Möglichkeit einer psychologischen Behandlung durch andere Spezialisten ist sicher angebracht. Inwieweit du selbst dich dem Umgang mit dem Teilnehmer gewachsen fühlst, weißt du sicher und kannst ihm das mitteilen.
Yogaübungen können durchaus andere Behandlungen begleiten und unterstützen.
Einatembetontes Üben sowie energetisierende Übungsabfolgen, die Weite im Brustraum und an der Körpervorderseite bringen, heben die Stimmung.
Zur Meditation fällt mir der Satz zum dritten Tibeter ein: "Ich öffne mich der Schönheit des Lebens."
Empfindest du selbst das Weinen als belastend oder befreiend?
Tränen sind oft äußerst heilsam; Verspannungen lösen sich, wenn Tränen rinnen. Manch einer würde etwas drum geben, wenn er weinen könnte.
Ein Yogakurs bietet einen geschützten Raum. Wenn sich der Teilnehmer in deinem Kurs so öffnen kann, spricht das für dein annehmendes Wesen und die Geborgenheit, die du ihm bietest. Offensichtlich hat er auch tiefes Vertrauen zu den anderen Teilnehmern. Deshalb ist er bei dir im Yogakurs, und fühlt sich da wohl.
Kannst du dir vorstellen, ihn einfach mal in den Arm zu nehmen oder ihm bei passender Gelegenheit anerkennend auf die Schulter zu klopfen? Om shanti, Jutta
danke, daya devi... und weiterhin gute genesung!
danke, jutta...
ja, das stimmt, er fühlt sich wohl bei mir/uns... das ist schon mal gut... und in den arm nehme ich ihn auch regelmäßig ;-) ..
aber es macht mir ein wenig sorgen, wenn jemand wärend meiner yogastunde selbstmordgedanken hat...auch
das weinen ist kein problem.. weder für mich, noch für die anderen.. vielleicht manchmal für ihn, denn er hat schonmal die stunde vorzeitig verlassen, deshalb...
ich denke es ist sicher gut, wenn sich sachen lösen und dann vielleicht sogar dadurch auflösen, bzw. tranzformieren... wie muskelblockaden, die erstmal schmerzhafter werden, bei bestimmten übungen, sich dadurch dann aber auflösen... wenn aber das losgetretende sich negativ und unkontroliert verselbstständigt....?
was tiefenentspannung angeht, so weiß ich z.b. von traumatisierten kindern, das man da auch ganz schön in ein vespennest stechen kann... aber mir fehlen da halt die erfahrungswerte bei erwachsenen und auch sicheres hintergrundwissen....
Hallo!
Ich leide selbst an Depressiven Verstimmungen und kann sagen, daß Yoga mich gerettet hat. Ich glaube ohne Yoga wäre ich noch lange nicht so weit und es ginge mir noch nicht besser. Weinen würde ich oft sehr gerne, aber es geht nicht. Weinen ist für mich eher positiv besetzt. Wenn wirklich Selbstmordgedanken da sind, ist das aber bedenklich finde ich... ist er denn wenigstens in ärztlicher Behandlung?
Lieber Stefan,
zunächst einmal war es eine vernünftige Vorgehensweise von Dir, Deinem Schüler zu raten, die Problematik professionell abklären zu lassen. Gerade in einem Bereich wo es häufiger zu suizidalen Problemstrukturen (Selbstmordgedanken, etc.) kommt, ist das definitiv angezeigt.
Das Thema wurde im Rahmen des Beitrags "Übungen zur Fibromyalgie" schon einmal angeschnitten. Dort habe ich das Folgende zu der Depressionsproblematik geschrieben:
Om namah shivaya,
an alle Interessierten.
An dieser Stelle möchte ich, den Gesundheitsschutz an Fibromyalgie erkrankter Yoga-Schüler betreffend, zum Thema Meditation bei dieser Krankheit noch Folgendes ergänzen:
Solange die Patienten "nur" unter innerem Stress leiden kann Meditation, Atemtherapie (Entspannender, harmonisierender Pranayama [Sanskrit, m., प्राणायाम, prāṇāyāma]) oder auch eine andere Form von Entspannungübungen sehr wohl gute Ergebnisse bewirken und das Leiden mildern. Es scheint mir jedoch wichtig darauf hinzuweisen, dass man sich als Therapeut (Anm.: der nur mit Heilpraktikerzulassung selbst tätig werden darf) vorher vergewissern sollte, dass keine depressive Störung vorliegt. Zitat aus meinem letzten Beitrag hier: "Bedauerlicherweise handelt es sich bei der genannten Erkrankung um eine solche, die man den chronischen Erkrankungsformen zurechnet, das heißt sie chronifiziert leicht und wird zur Dauererscheinung. Das wiederum beinhaltet die Erschwernis, dass es gerade bei derartigen Erkrankungen nicht gerade selten zu Depressionen (Depressiven Episoden) der Betroffenen kommt, die mit fortschreitender Dauer der Erkrankung wahrscheinlicher werden." Bei Depressionen kann sich Meditation als kontraproduktiv erweisen, da depressive Patienten dazu neigen können, sich in der eigenständigen Meditation weiter in ihre Depression hineinzusteigern. Bei Vorliegen einer Depression sollte man besser entweder auf andere Entspannungsformen zurückgreifen, oder, wenn man meint nicht auf Meditation verzichten zu wollen, nur eine kontrollierte, geführte Meditation anwenden, bei der man als Therapeut (mit entsprechender rechtlicher Zulassung) deren Ablauf und Inhalt unter Kontrolle halten kann.

Allen ein gesundes Leben
OM shantih
Detlef
vielen, lieben dank!
om shanti
Hallo Adinath,

ich beneide deinen Schüler um das Weinen.
Jedes mal wenn ich weine löst sich was in mir und ich fühle mich dabei und danch sehr lebendig.

Leider bin ich dazu erzogen worden mich des Weinens zu schämen. Ich vermute, das ich durch die Vermeidung des Weinens sehr krank geworden bin.

Wie fühlt sich den der Teilnehmer danach?

Ist ihm das Weinen peinlich?

Wenn er sich danach gut fühlt solltest du ihm positives Feedback dazu geben, eventuell ihn halten.

Das Weinen kann viele Ausprägungen haben, vor Wut, vor Glück, vor Schmerz, zur Reinigung, aus Mitleid.

Jaya mata Kali - Eduard
Lieber Stefan,

Ich kann mich den anderen Stimmen nur anschließen - auch ich erlebe Weinen als befreiend und lösend. Im Falle einer Depressiven Störung kann es allerdings auch zum Selbstläufer werden, der im Sumpf des Selbstmitleides endet. Dann löst sich weniger, als ds es sich verstärkt und um sich selbst verrennt. Deshalb ist professionelle Betreuung wahrscheinlich sehr sinnvoll. Begleitend dazu könntest du deinem Schüler Übungen zeigen, die ihn unterstützen, z.B
http://www.yoga-vidya.de/fileadmin/yv/Yogatherapie/Reihen_PDFs/zent...
Oder schau doch mal diese Übungsreihe für Innere Stabilität an:
http://www.yoga-vidya.de/fileadmin/yv/Yogatherapie/Reihen_PDFs/Yoga...

Liebe Grüße
Viola
vielen lieben dank. ich seh es genauso :-)
die links öffnen sich leider bei mir nicht...
lieben gruß,
adinath


Johanna schrieb:
 
Namasté liebe LeserInnen,
von diesen Themen fühle ich mich sehr angesprochen, da ich in diesem Jahr von akutem Burnout und Depressionen betroffen bin/war und einige Schritte zur Überwindung unternommen habe. Nachdem ich mich im Januar am Arbeitsplatz "krank" gemeldet habe, um mich intensiver um meine Genesung kümmern zu können, habe ich als "sofort-Selbsthilfe-Maßnahmen begonnen, Gymnastik und Ausdauertraining in einem med. Fitnessstudio zu machen und eine ambulante Psychotherapie angefangen. Als 2. Schritt meiner eigenen "Verordnung" war die Anmeldung zur 3-Jahres-Yoga-Lehrerin-Ausbildung und der Antrag einer klinischen Reha-Maßnahme, da ich nur im sozialen Kontext aktiv werden konnte. Ich ging beispielsweise nicht alleine spazieren, mein ganzes Energielevel war stark herabgesetzt ...
Mit der regelmäßigeren Bewegung, Yoga-Praxis und der Psychotherapie lernte ich langsam, wieder zu mir selbst zu kommen, womit es mir auch schon etwas besser ging und die ganz depressiven Phasen nicht mehr so schwer erlebte. Mir fehlte aber immer noch der "Funke". Ich baute enorme Widerstände gegen regelmäßige Meditation auf, bis ich auf das Buch "Der achtsame Weg durch die Depression" vonMark Williams, John Teastale, Zindel Segal & Jon Kabat-Zinn aufmerksam wurde und mithilfe der beiden Audio-CD's das 8-wöchige Übungsprogramm durchmachte. In diesem Gesamtkonzept meiner "Therapie" bekam ich dann nach 9 Monaten endlich meine Reha bewilligt und konnte mich dort noch spezieller mit meiner Krankheit konstruktiv auseinandersetzen...
Mittlerweile weiß ich nicht, was mir am meisten geholfen hat. Ich weiß nur wer mir sehr geholfen hat: meine Yoga-Lehrerin Padmakshi mit ihrer liebevollen Güte, die Menschen, die mich in der schweren Zeit begleiten haben, ganz besonders ein Mitpatient in der Reha-Klinik, der sehr spirituell entwickelt ist, mit dem ich die Hürden der Widerstände gegen meine spirituelle Yoga-Praxis besprechen und zu überwinden lernte. Der Klinik-Aufenthalt hat mir sehr geholfen, meine Probleme besser zu analysieren, heilende Wirkung hatten natürlich auch die Therapiegruppen für mich. Meinem spirituellen Freund verdanke ich die Unterstützung in meinem eigenen "spirituellen Erwachen".
Was ich hier einfach sagen will: ich bin zu der Überzeugung gekommen, die (sozial-)medizinische und psychologische Therapie für sich hätten meinen Heilungsprozess nicht so weit gebracht, wie ich mit freundschaftlicher Unterstützung und Yoga gekommen bin. Aufgrund der Schwere meiner psychischen Probleme wäre ich im bloßen Yoga-Üben stecken geblieben. Alles zusammen hat mich aus der Krise herausgeführt, mit vertiefter Yoga-Praxis in all den Dimensionen hoffe ich, meine weitere Entwicklung zum "Happy Aging" entfalten zu können.
Om Shanti
Johanna

Om namah shivaya Johanna und alle Interessierte.
Vielen Dank für Deinen sehr aufschlussreichen persönlichen Erfahrungsbericht Johanna, der uns wieder einmal deutlich vor Augen führt wie wenig Sinn es macht wenn einzelne Vertreter bestimmter Fachrichtungen, wie im Allgemeinen durchaus öfter der Fall, auf der Anwendung "ihres Weges oder Verfahrens" beharren. Der Schlüssel zum Erfolg scheint, wie so häufig, auch hier im Miteinander und gegenseitigen Unterstützen, sowie der Anwendung sich ergänzender unterschiedlichster Möglichkeiten zu bestehen.
Selbst in der Psychotherapie ist man mittlerweile auch im Rahmen unterschiedlicher therapeutischer Stilrichtungen, deren klassische Vertreter sich von Alters her sozusagen wenig freundlich gesonnen waren und teilweise noch sind, erkennbar aus der praktischen Anwendung von Verfahrensschritten der jeweils anderen und häufig ohne das offiziell zuzugegeben, darauf gekommen, dass ein Miteinander mehr Sinn macht als ein Gegeneinander...
Man kann nur hoffen, dass derart sogenannte multimodale therapeutische Ansätze weirtere Verbreitung finden. Ich für meinen Teil werde mich dafür einsetzen.

OM shantih
Detlef

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