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Om Namah Shivaya,

Meine Frage: Was genau passiert auf physikalisch/organischer Ebene wärend der Atemanhaltephase bei der Wechselatmung o.ä.. Welche Stoffwechselvorgänge werden ausgelöst.

Ich würde mich sehr über Eure Infos freuen.

Om Shanti

Silvia

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Antworten auf diese Diskussion

Hari OM, liebe Silvia,
beim Atemanhalten fließt das Blut durch den Körper und gibt den Sauerstoff an die Körperzellen ab. Der Sauerstoff wird von den roten Blutkörperchen transportiert. Als Abfallprodukt fällt CO2 an. Es gibt in der Physiologie ein Gesetz, das sogenannte Bohr-Gesetz, das besagt, dass der Sauerstoff seine Bindung an seine Trägersubstanz, die roten Blutkörperchen, besonders gut lösen kann, wenn eine gewisse Mindestmenge an CO2 im Blut vorhanden ist. Bei vielen Menschen, deren Atemmuster zu schnell und hektisch ist, oder die beim Sprechen häufig seufzen oder die Luft auf andere Weise gewohnheitsmäßig in großen Mengen ausstoßen, wird das Abfallprodukt CO2 so großzügig aus dem Körper entfernt, dass die gesunde Menge unterschritten wird. In der Folge wird die Bindung des Sauerstoffs an die roten Blutkörperchen enger, sie lösen sich nicht mehr so schnell und die Zellen werden weniger effektiv versorgt.
Während des Atemanhaltens fällt eine größere Menge an CO2 an und der Sauerstoff kann sich sehr gut lösen. Außerdem wird für eine gewisse Zeit der Einatemreflex unterdrückt. Der Einatemreflex wird ausgelöst, wenn Rezeptoren im Stammhirn (Atemzentrum) unter anderem eine gewisse Menge an gelöstem CO2 im Blut messen. Es gibt Menschen, die durch gewohnheitsmäßig falsche Atmung mit der Zeit ihr Atemzentrum sozusagen umprogrammiert haben. Sie atmen häufiger als Menschen mit einer gesunden Atmung, da ihr Einatemreflex in kürzeren Abständen als normal ausgelöst wird (normal wären 12 bis 15 Atemzüge pro Minute).
Übt jemand mit einem ungesunden Atemmuster Pranayama (d. h. man atmet bei den meisten Übungen viel weniger als 12 Mal pro Minute und übt Luftanhalten und -aushalten), kann das Atemzentrum lernen, den Einatemreflex wieder weniger häufig auszulösen. Man merkt diesen Effekt daran, dass man mit der Zeit immer länger mühelos die Luft an- bzw. aushalten kann. Wegen des Bohreffekts bedeutet das wiederum eine optimale Versorgung des Körpers mit Sauerstoff zu jeder Zeit. Außerdem "verzichtet" der Körper dann auf vielfältige Mechanismen, mit denen er während der Zeit des falschen Atmens versucht, den ständig zu hohen CO2 Verlust zu verhindern. Einer dieser Verteidigungsmechanismen besteht darin, dass sich die glatte Muskulatur zusammenzieht. So verengen sich die Atemwege, über die dann erst einmal nicht mehr so übermäßig ausgeatmet werden kann. Wird die falsche Atmung zum Dauerzustand, sind verengte Atemwege, Blutgefäße, Därme usw. (glatte Muskulatur durchzieht den ganzen Körper) der direkte Weg in eine Vielzahl von Krankheiten. Richtige Atmung kann allerdings vieles wieder richten.
Wenn man um diese Zusammenhänge weiß, kann man sie sich auch beim Sport zunutze machen.
Neben dieser physiologischen Wirkung des Atemanhaltens (und richtigen Atmens) gibt es dann noch die energetischen Wirkungen, derentwegen die meisten Yogis Pranayama machen.
Ich hoffe, liebe Silvia, dir ein wenig geholfen zu haben. Ich freue mich auch schon auf andere Antworten, in denen vielleicht noch andere physiologische Zusammenhänge erklärt werden oder ich vielleicht Anmerkungen/Ergänzungen zu meinem Text erhalte.
OM Shanti
Angeli
OM Namaste, liebe Angeli,
es ist sehr interessant fur mich auch, wie im Körper alles wirkt. Mit Atemanhalten praktiziere schon lang im Altag im Leben, z.B. beim Treppenaufsteigen oder beim Einschlafen. Aber Mechanismus kennte ich nicht. Danke. Katja

Angeli Pröstler schrieb:
Hari OM, liebe Silvia,
beim Atemanhalten fließt das Blut durch den Körper und gibt den Sauerstoff an die Körperzellen ab. Der Sauerstoff wird von den roten Blutkörperchen transportiert. Als Abfallprodukt fällt CO2 an. Es gibt in der Physiologie ein Gesetz, das sogenannte Bohr-Gesetz, das besagt, dass der Sauerstoff seine Bindung an seine Trägersubstanz, die roten Blutkörperchen, besonders gut lösen kann, wenn eine gewisse Mindestmenge an CO2 im Blut vorhanden ist. Bei vielen Menschen, deren Atemmuster zu schnell und hektisch ist, oder die beim Sprechen häufig seufzen oder die Luft auf andere Weise gewohnheitsmäßig in großen Mengen ausstoßen, wird das Abfallprodukt CO2 so großzügig aus dem Körper entfernt, dass die gesunde Menge unterschritten wird. In der Folge wird die Bindung des Sauerstoffs an die roten Blutkörperchen enger, sie lösen sich nicht mehr so schnell und die Zellen werden weniger effektiv versorgt.
Während des Atemanhaltens fällt eine größere Menge an CO2 an und der Sauerstoff kann sich sehr gut lösen. Außerdem wird für eine gewisse Zeit der Einatemreflex unterdrückt. Der Einatemreflex wird ausgelöst, wenn Rezeptoren im Stammhirn (Atemzentrum) unter anderem eine gewisse Menge an gelöstem CO2 im Blut messen. Es gibt Menschen, die durch gewohnheitsmäßig falsche Atmung mit der Zeit ihr Atemzentrum sozusagen umprogrammiert haben. Sie atmen häufiger als Menschen mit einer gesunden Atmung, da ihr Einatemreflex in kürzeren Abständen als normal ausgelöst wird (normal wären 12 bis 15 Atemzüge pro Minute).
Übt jemand mit einem ungesunden Atemmuster Pranayama (d. h. man atmet bei den meisten Übungen viel weniger als 12 Mal pro Minute und übt Luftanhalten und -aushalten), kann das Atemzentrum lernen, den Einatemreflex wieder weniger häufig auszulösen. Man merkt diesen Effekt daran, dass man mit der Zeit immer länger mühelos die Luft an- bzw. aushalten kann. Wegen des Bohreffekts bedeutet das wiederum eine optimale Versorgung des Körpers mit Sauerstoff zu jeder Zeit. Außerdem "verzichtet" der Körper dann auf vielfältige Mechanismen, mit denen er während der Zeit des falschen Atmens versucht, den ständig zu hohen CO2 Verlust zu verhindern. Einer dieser Verteidigungsmechanismen besteht darin, dass sich die glatte Muskulatur zusammenzieht. So verengen sich die Atemwege, über die dann erst einmal nicht mehr so übermäßig ausgeatmet werden kann. Wird die falsche Atmung zum Dauerzustand, sind verengte Atemwege, Blutgefäße, Därme usw. (glatte Muskulatur durchzieht den ganzen Körper) der direkte Weg in eine Vielzahl von Krankheiten. Richtige Atmung kann allerdings vieles wieder richten.
Wenn man um diese Zusammenhänge weiß, kann man sie sich auch beim Sport zunutze machen.
Neben dieser physiologischen Wirkung des Atemanhaltens (und richtigen Atmens) gibt es dann noch die energetischen Wirkungen, derentwegen die meisten Yogis Pranayama machen.
Ich hoffe, liebe Silvia, dir ein wenig geholfen zu haben. Ich freue mich auch schon auf andere Antworten, in denen vielleicht noch andere physiologische Zusammenhänge erklärt werden oder ich vielleicht Anmerkungen/Ergänzungen zu meinem Text erhalte.
OM Shanti
Angeli
Liebe Angeli,

hab vielen Dank für Deine ausführliche Beschreibung.
Mit lieben Grüßen
Om Shanti

Silvia

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